Wozu braucht man eigentlich Foursquare?

Mit dem ganzen Social-Media-Gedöns ist es ja so eine Sache. Foursquare zum Beispiel, dieser eigentümliche Local Based Service: Den nutze ich jetzt brav seit anderthalb Jahren, logge mich ein, wo ich gehe und stehe, habe es bis zum ,Mayor‘ der Fleischerei Kolditz oder der Schleuse Gelsenkirchen gebracht – ja, ich kann sogar sagen, dass ich den Essener Norden quasi im Alleingang foursquaremäßig erschlossen habe, allein: Wozu das alles? Ich weiß es nicht. Irgendein schlauer Twitterer hat mal gesagt, Foursquare sei ein typisches Jungenspielzeug, denn die Jungs müssten halt immer an irgendwelche Bäume pinkeln. Da könnte was dran sein.

Gut, man bekommt allerhand Badges für besonders intensives Eingechecke, man kann immer sehen, wo sich die sogenannten Friends gerade so herumtreiben. Na ja, die meisten von denen kenne ich sowieso nicht aus dem wahren Leben und so ist es mir eigentlich schnurz, wer nun gerade auf Bahnsteig 3 am Bahnhof Nürtingen steht.

In Werbespots wollen sie uns immer weismachen, dass riesige Freundeskreise ständig in irgendwelchen Cafés herumlungern und nichts anderes zu tun haben, als sich mit ihren Smartphones gegenseitig zu orten und natürlich spontan zu verabreden. Ich weiß nicht, ob die Werbefuzzis wirklich an diese antiseptischen Ferrero-Küsschen-Freundeskreise glauben, aber selbst, wenn es sie geben sollte: Ich möchte nicht zu ihnen gehören. Lieber werd‘ ich einsamer Schleusenwärter in Gelsenkirchen.

In manchen Blogs kann man nachlesen, welch großes Marketing-Potenzial in Foursquare stecke. Die Unternehmen müssten das nur endlich mal begreifen, dass die Leute da kostenlos Werbung für sie betrieben. Und sie müssten den Foursquarianern mal endlich was bieten, damit diese auch einen Ansporn hätten. Manche tun das, wie zum Beispiel die Restaurantkette Vapiano. Wer bei einer Filiale von denen Mayor ist, bekommt einen Gratiskaffee. Ui, wenn das kein Anreiz ist, für so einen Gratiskaffee kann man sich wirklich mal richtig ins Zeug legen!

Screenshot Foursquare

Ich selbst war neulich im NRW-Forum, einem schicken Museum in Düsseldorf. Die Macher dort sind mächtig Social-Media-orientiert. Es gibt eine iPhone-App, die einen hilfreich durch die Ausstellungen begleitet. Und fleißige Foursquare-Nutzer werden auch belohnt: Bei jedem 5. Check-in bekommt man 50% Rabatt beim Kauf eines Ausstellungsplakates. Hm, die Ausstellungen laufen in der Regel ein paar Monate. Unter Umständen braucht man zwei Jahre bis man fünf Mal eingecheckt hat und so ein Ausstellungsplakat kostet ja nun auch nicht die Welt…

Nun gut, lassen wir das kleinliche Aufrechnen. Aber offensichtlich wird das so nix mit den Unternehmen und Foursquare. Mir würde es ja schon reichen, wenn ich bei der Schleuse Gelsenkirchen auch mal die Schleusentore bedienen oder beim Fleischer Kolditz einem Bio-Huhn in die ewigen Jagdgründe verhelfen dürfte.  Aber der schenkt mir ohnehin zu Weihnachten immer ein neues Pittermesser. Ganz ohne Foursquare. Und das ist ja auch schon ganz schön schön schon.

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