Sinnloses Pressieren | Links, 20.10 2014

1. Universitäten: Keine Rede von den Studenten
(Jürgen Kaube, FAZ)

Jürgen Kaube:
„Mit den mitunter absurden Studienbedingungen haben die Wissenschaftsfunktionäre längst ihren Frieden gemacht. In ihren Reden kommt diese Wirklichkeit der Universität nicht vor. Nachvollziehbarerweise, denn sie – die Ministerien, die Universitätsleitungen, die Rektorenkonferenz, der Wissenschaftsrat – haben die Ursachen ja gutgeheißen. Die Überladung mit Kursen, das sinnlose Pressieren, das doch nicht zu schnelleren Abschlüssen führt, die Parodie auf Prüfungen, die Noteninflation, das Ersticken des Personals in Verwaltung („Evaluation“), der Tanz um den Drittmittelfetisch – das alles fiel nicht vom Himmel.“

2. Da könnte ich auch gleich Ghettoblaster im Seminar erlauben
(Clay Shirky, ZEITonline)
Clay Shirky kämpft gegen Multitasking im Seminar: Das lenke nur ab. Welch eine Erkenntnis.

3. Kommunizieren like Kardashian
(Joachim Müller-Jung, Planckton)
Ein etwas länglicher Text vom FAZ-Wissenschaftschef, der noch einmal grob die sommerliche Debatte um die Wissenschaftskommunikation Revue passieren lässt. Zwischendurch teilt er ein paar schöne Watschen aus, weil das Akademienpapier die digitale Welt völlig ausgeklammert hatte. Müller-Jungs zum Schluss geäußerte Befürchtung, dass sich WissenschaftlerInnen am Ende nur aus Marketingzwecken auf Twitter & Co. tummeln, mag ich nicht so recht folgen. Zweifellos sind soziale Medien eine gute Bühne für Selbstdarsteller. Kluge Leute jedoch erkennen das sofort – auf Twitter wie im richtigen Leben – und wenden sich (hoffentlich) schnell ab.

Stirb langsam in der Vorlesung


Da sage noch einer, Wissenschaftskommunikation sei langweilig. So werben der Hochschuldozent Klaus Diepold und seine beiden Assis Rothbucher und Keimel für die Vorlesung „Digitales Video“ an der TU München. Ein Vorlesungs-Trailer im „Die Hard“-Stil ist vielleicht nicht jedermann Sache, mir gibt es jedenfalls die Hoffnung, dass manch verwissenschaftliches Schnarchtum an den Unis hie und da langsam aufgebrochen wird. Zugegeben: Das ist im Medienbereich ungleich einfacher als beispielsweise in der Katholischen Theologie – obwohl: wenn ich mir so überlege, was Christoph Waltz da unlängst mit „DJesus Uncrossed“ vorgelegt hat, ist da für sicherlich auch noch Spielraum…