Spiegelwesen | Links, 15.11. 2014

Silicon Valley: Fünf Nichtschwimmer im Haifischbecken
(FAZ, Michael Hanfeld)
Scheint eine hübsche kleine Serie zu werden. Eine Folge sah ich bereits und war durchaus ganz angetan.

„Man denkt an mich, also bin ich“ – Sloterdijk im Gespräch
(SZ Magazin)
Überaus erhellendes Interview. Dieser Sloterdijk ist eine rundum ungewöhnliche Persönlichkeit. Das Interview hat mindestens fünf Antworten in denen er ganz beiläufig Sachen sagt, die mich komplett umhauen. Zum Beispiel diese Spontanreflexion über Spiegel, Ego und Hochmut.

„Ich habe übrigens lang über Spiegel und ihre ego-technischen Wirkungen nachgedacht. Früher wussten die meisten Menschen nur vage, wie sie aussehen. Für sie galt die Regel, wie ich behandelt werde, so schaue ich aus. Erst in den letzten 200 Jahren sind wir in Europa zu Spiegelwesen abgerichtet worden. Auch deswegen haben sich bei modernen Menschen die moralischen Verhältnisse so von Grund auf verändert. Die Moral diente früher ja vor allem dazu, Menschen bescheiden zu machen, oder, wie es katholisch heißt, demütig. Primär wurde diese Aufgabe von den Religionen wahrgenommen, die der Selbstliebe einen Riegel vorschieben. Seit überall Spiegel angebracht sind, übernehmen sie diese Funktion und machen neun Zehntel der Population per se ziemlich kleinlaut. Die übrigen zehn Prozent sind die Problemgruppe. In der großen Mehrheit brauchen wir keine Moralpriester mehr, um unseren Hochmut zu dämpfen, sondern Kosmetiker, die uns in Sachen verpasster Schönheit Nachbesserung versprechen.“

Fahr zur Hölle
(Gerhard Patzig, Süddeutsche Zeitung)
Schon seit mindestens 30 Jahren frage ich mich, warum Autos zunehmend gleichförmiger und hässlicher werden. An den Designern liegt es laut Gerhard Patzig allerdings nicht, eher wohl an Bürokraten, ängstlichen Managern und tumben Marketing-Leuten. Und an Trendforschern.

„Dann kamen die Trendforscher ins Spiel. Vermeintlichen Trends lief man lieber hinterher – statt auf die Fähigkeit zu vertrauen, selbst welche zu setzen. Einen Trend markiert die Retrowelle. Wie bitte? BMW ist damit erfolgreich, aus dem Mini von damals ein Auto gemacht zu haben, das nun aussieht wie ein an Adipositas erkrankter Doppelwhopper? Das können wir auch: Nun sieht auch der Fiat Cinquecento, der als „Topolino“, als Mäuschen also, seine Karriere 1936 begann, der sich bis 1975 auf dem Höhepunkt seiner Ästhetik befand, aus wie ein Batzen Blechknetmasse.“