Show Me A Hero

Ich hatte in diese kleine Serie schon mal reingeschaut, als sie bei Sky noch im englischen Original verfügbar war, hatte dann aber relativ schnell und etwas entnervt aufgegeben: Wie immer bei diesen amerikanischen Politgeschichten gibt es schnell dahin genuschelte Dialoge, viel Geschrei und sonstige Gegebenheiten, die einem das Einhören nicht gerade einfach machen. Die etwas spröde 80er-Jahre-Optik dieser sogenannten HBO-Miniserie hatte mich aber ziemlich begeistert. Und so war ich froh, dass Sky vor ein paar Wochen die deutsch synchronisierte Fassung brachte. Leider gab es pro Woche nur eine Folge, aber von Woche zu Woche wurde ich ein größerer Fan dieser eigentlich sehr unspektakulären Geschichte um den Politiker Nick Wasicsko. Der wird 1987 unversehens jüngster Bürgermeister von Yonkers, einer kleinen Stadt ganz in der Nähe New Yorks. Doch in Yonkers tobt der Mob – in diesem Fall der weiße Mittelstands-Mob, der sich gegen ein schwarzes Wohnprojekt mit bezahlbarem Wohnraum in bester Yonkers-Lage auflehnt. Ein unerschrockener Bundesrichter hat das verfügt und will auf diese Weise der allgegenwärtigen Rassentrennung entgegen wirken. Der immer erbitterter geführte Kampf um dieses Wohnprojekt legt über Jahre hinweg die Kommunalpolitik lahm, beendet politische Karrieren oder spült neue Kandidaten an die Spitze.

Die ganze Geschichte geht auf wahre Begebenheiten zurück – und wenn man das nicht wüsste, hätte man den unverhohlenen, empörenden Rassismus, den die Serie beschreibt, wohl zuweilen als recht übertrieben empfunden. Wer hätte gedacht, dass es noch 1990 so tiefe Gräben zwischen Weiß und Schwarz, zwischen Arm und Reich, gab und so offen zur Schau getragen werden konnte?
Was diese Serie so besonders macht, sind nicht nur die unfassbar guten Schauspieler (allen voran Oscar Isaac in der Hauptrolle, für die er den Golden Globe bekam), sondern die Tatsache, dass die Beschreibung der sozialpolitischen Trostlosigkeit von Yonkers ohne jeglichen Kitsch auskommt. Fast beläufig werden Einzelschicksale beleuchtet, um die Lebenssituation von Schwarzen in prekären Verhältnissen zu zeigen. Aber hier gelingt, was in deutschen Produktionen fast nie geschieht: es ist nicht peinlich, nicht hoffnungslos überzogen. Es ist einfach nur wahrhaftig. Es sind stille Beobachtungen, ohne moralische Bewertungen, alberne Tränendrüsendrückereien oder überflüssige Dramatisierungen.

Und dann die Schauspieler: Oscar Isaac gibt uns den unsicheren und doch sehr ehrgeizigen Provinzpolitiker, der stets das Gute will, aber letztlich doch scheitert: am eigenen Anspruch und der eigenen Angst, am rücksichtslosen Rassismus, am politischen Personal seiner Stadt, das mehr einem Haifischbecken als einem Parlament ähnelt. Und wer sich da alles tummelt: James Belushi als polit-gestählte Bürgermeister-Ikone, Alfred Molina als unfassbar schmieriger Ex-Polizist und Wohnprojekt-Gegner oder Wynona Ryder als Vertraute von Oscar Isaac. Bis in die Nebenrollen hinein ist diese Serie exzellent besetzt. Allein Catherine Keener zu beobachten, ist eine Wonne. Ihre Figur macht in der Serie die wohl bemerkenswerteste Wandlung durch: die von der besorgten, hasserfüllten weißen Mittelstandsbürgerin hin zur informierten, verstehenden Frau, die auf offener Straße ihren Widerstand gegen den bohrenden Hass der Weißen probt.

Oscar Isaac war mir vor dieser Serie noch gar nicht so sehr aufgefallen. Aber seitdem bemerke ich, wo ich ihn überall schon gesehen haben. Zuletzt natürlich in Star Wars, aber – herrje – ich sah ihn schon als Hauptdarsteller bei Coens in „Inside Llewyn Davis“. Und dann noch letztens, als wir mehr durch Zufall „Die zwei Gesichter des Januars“ sahen, in dem er Viggo Mortensen locker an die Wand spielt.

Ja, und dann wie immer in guten Serien: die Bilder. Was nützt die beste Geschichte, bringen die besten Schauspieler, wenn die Bilder nicht stimmen? Hier taucht man von Beginn an tief ins trostlose braun-grau der 80er-Jahre ein, eine perfekte Symphonie aus Krawattennnadeln, Schulterpolstern und Zigarrenrauch. Period Drama at it’s best!