Schmidt happens | Links, 15.10. 2014

1. „The New Gründergeist“
(Der offizielle Google Produkt Blog, Eric Schmidt)
Wenn bedeutende Unternehmer über Erfindungen und Gründergeist sprechen, dann ist es meistens ziemlich vorhersehbares Geschwafel. Auch in dieser Rede von Erich Schmidt ist das so. Allerdings kriegt er hin- und wieder noch die Kurve. Erfindergeist und Unternehmertum US-amerikanischer Provenienz sind eben doch einen Schlag hemdsärmeliger als die ängstlichen Selbstvergewisserungen, die man in jüngster Zeit aus deutschen Unternehmen vernehmen durfte.

Eric Schmidt:
„Aber noch wichtiger ist es zu wissen, dass irgendjemand irgendwo in einer Garage auf uns lauert. Ich weiß das, weil es nicht lange her ist, dass wir in dieser Garage saßen. Der Wandel kommt von dort, wo man ihn am wenigsten erwartet. Das Telegramm drängte die Post zurück. Radio und Fernsehen mischten die Nachrichtenbranche auf. Flugzeuge beendeten die Ära der Ozean-dampfer. Das nächste Google wird nicht das tun, was Google tut, genau wie Google nicht das tat, was AOL tat. Erfindungen sind immer dynamisch und die daraus resultierenden Umwälzungen sollten uns davon überzeugt haben, dass die Zukunft nicht statisch ist. Dies ist der Prozess der Innovation.“

2. …und bleiben Sie gesund.
(Melancholie Modeste)
Man möchte nicht krank werden in diesem Land. Zuweilen bekommt man mehr Angst vor dem maroden Gesundheitssystems als vor der Krankheit selbst.

3. Why is so hard to be good?
(Stephan Noller, BeimNollar)
Das Netz ist voller Scheiße und Stephan Noller fragt sich, warum wir es nicht schaffen, es – wenigstens teilweise – zu einem besseren Ort machen.

4. Die Arroganz des Wortes
(Cordt Schnibben, nzz Folio)
Starker, sehr ausgewogener Text über die Herausforderungen, die der Journalismus angesichts der zunehmenden Digitalisierung meistern muss.

Cordt Schnibben:
„Printjournalismus, der sich digital vermarkten will, muss vom Onlinejournalismus lernen, vom Leserdialog, von den Formen, auch von der Sprache. Das Wort muss da dem Foto, dem Video, der Grafik weichen, wo es unterlegen ist; Journalismus zeigt nicht schon dadurch seine Qualität, dass Wortgebirge zu bewältigen sind. Datenjournalismus, Audio-Slide-Shows, animierte Grafiken, all das, was der Onlinejournalismus hervorgebracht hat, muss auf den Tablets mit den Printtexten zum neuen digitalen Journalismus zusammenwachsen.“

5. Biete Text, suche Markt
(Harald Willenbrock, nzz Folio)
Wieder einmal geht es um die Zukunft des Journalismus, der seine Seinskrise nicht in den Griff bekommt. Wer kann helfen? Wo gibt es den rettenden Strohhalm? Können Mäzene vielleicht die Rettung sein?

Harald Willenbrock:
„Der grösste Nachteil der Stifter aber ist: Es gibt schlicht zu wenige von ihnen. Anders als in den USA, wo sich die Spenden zur Förderung des Journalismus nach Schätzungen von «Active Philantrophy» auf eine Milliarde Dollar summieren, fehlt es in Europa an einer tragfähigen Stiftungskultur. Philanthropen können hier zusammen mit Crowdfunding-Modellen und hochklassigen Unternehmenspublikationen lediglich einige der Löcher stopfen, die die Printkrise ins flächendeckende Informationsnetz gerissen hat. Ersetzen können sie sie nicht. Und auch sie werden nicht verhindern können, dass der Medienmarkt immer undurchsichtiger und verwirrender werden wird.“

6. Digitalisierung der Sprache: Thesaurus-Tage und Nasensmileys
(
Stephanie Große, netzpiloten.de)
Stephanie Große mag den Blasen-Sprech nicht mehr und befindet sich deshalb im Thesaurus-Modus.

7. Der Lehrerschreck
(Nico Lumma, 140 Sekunden)