Widerrufliche Gratiseinwilligung | Links, 28.10. 2014

1. Internetseiten dürfen Youtube-Videos einbetten
(Achim Sawall, Süddeutsche.de)
Gott sei Dank, der EuGH fällt durch eine weise Entscheidung auf.

2. Einfach mal bei der VG Media anfragen
(Michael Schmalenstroer, schmalenstroer.net)
Michael Schmalenstroer möchte von der VG Media auch eine „widerrufliche Gratiseinwilligung“ für seine geschichtswissenschaftliche Zeitungsschau.

Schmalenstroer:
„Das ist jetzt das völlige Desaster: Zuerst versucht man ein Gesetz zu schaffen, mit dem man Google zur Zahlung verpflichten will. Damit richtet man einen riesigen Flurschaden unter kleineren Suchmaschinen und Aggregatoren an, schafft eine enorme Rechtsunsicherheit und poltert massiv gegen den “Monopolisten Google”. Und dann gibt man ihm ein Gratisnutzungsrecht und will Geld von kleinen Suchmaschinen, die nicht die Marktmacht von Google haben. Das ist das totale Desaster.“

3. Das 35-Millionen-Lächeln: Ein halbes Jahr im Leben des ResearchGate-Gründers Ijad Madisch
(Jakob Vikari, Wired)
Ich bin immer ein bisschen skeptisch, wenn Leute in Porträts so übermäßig gehypt werden. So manchem Journalisten gehen dann schnell die Pferde durch. In diesem Falle war ich trotzdem geneigt zu glauben, dass Ijad Magisch der Tausendsassa ist, als der er uns hier verkauft wird.

4. Bay Area Disrupted
(WDR 3)
Der WDR hat mit Pageflow ein großartiges Tool fürs moderne Storytelling entwickelt. In dieser Geschichte werden die himmelschreienden sozialen Unterschiede im Großraum San Francisco sehr eindringlich vor Augen geführt. Dass die Verdrängungsmacht des Silicon Valley sich so krass in SF auswirkt, hätte ich nicht vermutet.

5. So sehr hat sich Berlin seit 1990 verändert
(Buzzfeed)
Vorher-Nachher-Bilder könnte ich mir den ganzen Tag anschauen.

6. Kebekus parodiert Helene Fischer: Atemlos
(Youtube)
Parodien dieser Art finde ich immer so mittellustig, seit Oliver Kalkofe sich vergebens an den Zombies der Volksmusik abarbeitet. Es bringt irgendwie nichts. Trotzdem halte ich Karoline Kebekus für einen Solitär in der deutschen Comedy- und Fernsehnasen-Szene. Deutsche Medien bezeichnen sie gern als „zotig“, ich würde sie eher derb nennen, aber auf eine durchaus originelle Art.

 

 

Sinnloses Pressieren | Links, 20.10 2014

1. Universitäten: Keine Rede von den Studenten
(Jürgen Kaube, FAZ)

Jürgen Kaube:
„Mit den mitunter absurden Studienbedingungen haben die Wissenschaftsfunktionäre längst ihren Frieden gemacht. In ihren Reden kommt diese Wirklichkeit der Universität nicht vor. Nachvollziehbarerweise, denn sie – die Ministerien, die Universitätsleitungen, die Rektorenkonferenz, der Wissenschaftsrat – haben die Ursachen ja gutgeheißen. Die Überladung mit Kursen, das sinnlose Pressieren, das doch nicht zu schnelleren Abschlüssen führt, die Parodie auf Prüfungen, die Noteninflation, das Ersticken des Personals in Verwaltung („Evaluation“), der Tanz um den Drittmittelfetisch – das alles fiel nicht vom Himmel.“

2. Da könnte ich auch gleich Ghettoblaster im Seminar erlauben
(Clay Shirky, ZEITonline)
Clay Shirky kämpft gegen Multitasking im Seminar: Das lenke nur ab. Welch eine Erkenntnis.

3. Kommunizieren like Kardashian
(Joachim Müller-Jung, Planckton)
Ein etwas länglicher Text vom FAZ-Wissenschaftschef, der noch einmal grob die sommerliche Debatte um die Wissenschaftskommunikation Revue passieren lässt. Zwischendurch teilt er ein paar schöne Watschen aus, weil das Akademienpapier die digitale Welt völlig ausgeklammert hatte. Müller-Jungs zum Schluss geäußerte Befürchtung, dass sich WissenschaftlerInnen am Ende nur aus Marketingzwecken auf Twitter & Co. tummeln, mag ich nicht so recht folgen. Zweifellos sind soziale Medien eine gute Bühne für Selbstdarsteller. Kluge Leute jedoch erkennen das sofort – auf Twitter wie im richtigen Leben – und wenden sich (hoffentlich) schnell ab.

Schmidt happens | Links, 15.10. 2014

1. „The New Gründergeist“
(Der offizielle Google Produkt Blog, Eric Schmidt)
Wenn bedeutende Unternehmer über Erfindungen und Gründergeist sprechen, dann ist es meistens ziemlich vorhersehbares Geschwafel. Auch in dieser Rede von Erich Schmidt ist das so. Allerdings kriegt er hin- und wieder noch die Kurve. Erfindergeist und Unternehmertum US-amerikanischer Provenienz sind eben doch einen Schlag hemdsärmeliger als die ängstlichen Selbstvergewisserungen, die man in jüngster Zeit aus deutschen Unternehmen vernehmen durfte.

Eric Schmidt:
„Aber noch wichtiger ist es zu wissen, dass irgendjemand irgendwo in einer Garage auf uns lauert. Ich weiß das, weil es nicht lange her ist, dass wir in dieser Garage saßen. Der Wandel kommt von dort, wo man ihn am wenigsten erwartet. Das Telegramm drängte die Post zurück. Radio und Fernsehen mischten die Nachrichtenbranche auf. Flugzeuge beendeten die Ära der Ozean-dampfer. Das nächste Google wird nicht das tun, was Google tut, genau wie Google nicht das tat, was AOL tat. Erfindungen sind immer dynamisch und die daraus resultierenden Umwälzungen sollten uns davon überzeugt haben, dass die Zukunft nicht statisch ist. Dies ist der Prozess der Innovation.“

2. …und bleiben Sie gesund.
(Melancholie Modeste)
Man möchte nicht krank werden in diesem Land. Zuweilen bekommt man mehr Angst vor dem maroden Gesundheitssystems als vor der Krankheit selbst.

3. Why is so hard to be good?
(Stephan Noller, BeimNollar)
Das Netz ist voller Scheiße und Stephan Noller fragt sich, warum wir es nicht schaffen, es – wenigstens teilweise – zu einem besseren Ort machen.

4. Die Arroganz des Wortes
(Cordt Schnibben, nzz Folio)
Starker, sehr ausgewogener Text über die Herausforderungen, die der Journalismus angesichts der zunehmenden Digitalisierung meistern muss.

Cordt Schnibben:
„Printjournalismus, der sich digital vermarkten will, muss vom Onlinejournalismus lernen, vom Leserdialog, von den Formen, auch von der Sprache. Das Wort muss da dem Foto, dem Video, der Grafik weichen, wo es unterlegen ist; Journalismus zeigt nicht schon dadurch seine Qualität, dass Wortgebirge zu bewältigen sind. Datenjournalismus, Audio-Slide-Shows, animierte Grafiken, all das, was der Onlinejournalismus hervorgebracht hat, muss auf den Tablets mit den Printtexten zum neuen digitalen Journalismus zusammenwachsen.“

5. Biete Text, suche Markt
(Harald Willenbrock, nzz Folio)
Wieder einmal geht es um die Zukunft des Journalismus, der seine Seinskrise nicht in den Griff bekommt. Wer kann helfen? Wo gibt es den rettenden Strohhalm? Können Mäzene vielleicht die Rettung sein?

Harald Willenbrock:
„Der grösste Nachteil der Stifter aber ist: Es gibt schlicht zu wenige von ihnen. Anders als in den USA, wo sich die Spenden zur Förderung des Journalismus nach Schätzungen von «Active Philantrophy» auf eine Milliarde Dollar summieren, fehlt es in Europa an einer tragfähigen Stiftungskultur. Philanthropen können hier zusammen mit Crowdfunding-Modellen und hochklassigen Unternehmenspublikationen lediglich einige der Löcher stopfen, die die Printkrise ins flächendeckende Informationsnetz gerissen hat. Ersetzen können sie sie nicht. Und auch sie werden nicht verhindern können, dass der Medienmarkt immer undurchsichtiger und verwirrender werden wird.“

6. Digitalisierung der Sprache: Thesaurus-Tage und Nasensmileys
(
Stephanie Große, netzpiloten.de)
Stephanie Große mag den Blasen-Sprech nicht mehr und befindet sich deshalb im Thesaurus-Modus.

7. Der Lehrerschreck
(Nico Lumma, 140 Sekunden)

Snoopys Erkenntnis | Links, 10.10. 2014

1. Das Ende des Buches, wie wir es kennen
(Wirtschaftswoche, Andreas Meng et.al.)
Reißerischer Titel, aber guter, weil recht ausgewogener Beitrag über den grundstürzenden Wandel der Buchbranche. Und es wird immer klarer: Die neue Welt des Lesens wird offener und spannender. Das, was hochnäsige Verleger früher als Schund ablehnten, wird seine Leser finden. Es wird vieles zu entdecken geben, und noch mehr zu verwerfen. Die richtig guten Sachen werden einem in den diversen Timelines vor die Füße rollen. Es werden sich überall Diskussionszirkel bilden. Die digitale Zukunft der Literatur leuchtet.

2. SOBOOKS: Zwei Größenwahnsinnige versprechen die Neuerfindung des Lesens
(Gründerszene, Frank Schmiechen)
Sobooks ist auf dem richtigen Weg. Wenn das Angebot an Büchern stimmt, könnte es in der Tat ein Erfolg werden. Nur bei einem bin ich skeptisch und das betrifft den Kern der Sache: Werden die Leute wirklich bereit sein, Bücher im Browser zu lesen? Auf dem Tablet kann ich es mir ja noch vorstellen, aber auf dem Desktop? Aber vielleicht ist es nur eine Frage der Zeit, bis auch das ganz normal geworden ist.

3. mögliche folgen von blog-professionalisierung: haltungsschäden und merkbefreiung
(wirres.net, Felix Schwenzel)
Darf Kunst alles? Nö. Felix Schwenzel schimpft über Zombie-Blogger mit ähnlichen „haltungsdeformationen wie boulevardjournalisten“.

4. Previously On Freak Show 138: Anglizismen
(David Scribane)
Schon ein paar Tage alt. Aber großartig.

5. Snoopy. Erwachsen.
(@fragmente)

Rehkidz | Links, 8.10. 2014

52 Colorized Historical Photos That Give Us A New Look At the Past 〉Distractify
Schon stark, wie nah uns die Geschichte durch ein bisschen Farbe wird.

Endstation – Kollaps im Nahverkehr 〉WDR Fernsehen (die story)
Zuweilen hat man das Gefühl, dass einem Infrastruktur hierzulande unter dem Hintern wegfault. Wo man auch hinschaut: Überall leere Kassen und zugleich gewaltige Investitionsstaus. Besonders übel sieht es im Ruhrgebiet aus. Während im Osten blühende Landschaften entstehen (sollen), geht hier bald nichts mehr: Die Verkehrsinfrastruktur steht kurz vor dem Kollaps. Und alle – so scheint es – schauen achselzuckend zu.

Nah am Abgrund 〉Süddeutsche
„Homeland“ is back, zumindest in den USA. Eigentlich war die Serie mit dem Tod von Nicolas Brody für mich auserzählt. Doch es scheint so, als sei er noch nicht ganz aus der Serie verschwunden.

Jürgen Schmieder:
Verwirrend erscheint dabei nur, dass sich Gansa dann doch nicht komplett von Brody lossagen kann. Damian Lewis wurde kürzlich am Set in Südafrika gesichtet, was sogleich für Gerüchte sorgte: Wird es Rückblenden geben und damit die Auflösung, was für ein Mensch dieser Brody wirklich war? Oder ist er womöglich gar nicht tot? Wie auch immer, die Figur ist immer noch präsent, was nicht unbedingt ein gutes Zeichen sein muss.“

Bleibt nur zu hoffen, dass hier nicht der alte „Dallas“-Serienkniff („Haha, war alles nur ein Traum“) angewendet worden ist.

Juwelen vor dem Feuersturm 〉SPON
Wie oft habe ich mir schon gewünscht, einmal durch die Städte laufen zu können, wie sie vor dem WWII ausgesehen haben. Wie lebendig müssen noch manche Viertel beispielsweise in Berlin gewesen sein, mit einer Gassenstruktur, die noch bis ins tiefste Mittelalter zurückreichte. Im Auftrag der Nazis wurden sogenannte Schrägluftaufnahmen aus niedriger Höhe gemacht, um die Städte irgendwann möglichst original wieder aufbauen zu können. Hat natürlich niemand gemacht. Die Fotos lagerten viele Jahrzehnte unbeachtet auf einem Dachboden im Harz. Vielleicht werden uns ja die nachfolgenden Generationen dankbar sein, dass wir mit den Google-Autos jeden Winkel fotografiert haben. Nur in Deutschland wird es auffallend viele Lücken geben.

The Simpsons‘ Springfield Illustrated as a Deadbeat Town boredpanda
Großartig, der Kwik-E-Mart mit dem Atomkraftwerk im Hintergrund.

Rehkidz 〉Twitter

Ellopopello | Links, 5.10. 2014

Die Strategie hinter der Apple-Watch | Jan Tißler
Jan Tißler vermutet, dass Apple mit der Watch versuchen wird, die Marke Apple in ganz neuen Märkten zu verankern. In seiner Lesart ist die Watch dann weniger ein Tech-Gadget als hochpreisges Mode-Accessoire. So ganz mag ich ihm nicht zu folgen: Ein hochpreisiger Pulsmesser mit sündhaft teurem Edelstahl-Glieder-Armband? Ein Schrittzähler mit edlem Lederarmband? Die entscheidenden Fragen stellt er selbst:

„Wer sich eine hochwertige, mechanische Armbanduhr kauft, kauft sich damit oftmals eine Wertanlage und etwas, was sich sogar vererben lässt. Eine Rolex von 2014 mag 2114 sogar wertvoller als heute sein. Aber eine Apple Watch? Wie will das Unternehmen verhindern, dass die bisherigen Modelle sofort entwertet werden, wenn der Nachfolger präsentiert wird? Diese Frage ist bislang vollkommen offen.“

Immer sachte mit den jungen Pferden: Ello | sinnundverstand.net
Ellopopello. Ich habe mich dort angemeldet, weil mein Lieblingstwitterer @HuckHaas nicht mehr auf Twitter ist, sondern jetzt bei Ello seine Späße treibt. Ich weiß zwar nicht, warum er das macht, aber jetzt bin ich auch bei diesem Ello. Da sind alle anderen auch schon, die man so von Twitter et.al. kennt. Irgendwie ein wenig öde. Da kann man ja direkt bei Twitter bleiben. Aber die gelten ja als böse, seit sie mit ihrem Dienst Geld verdienen wollen. Habe bei App.net schon nicht recht verstanden, was daran besser sein soll. Na ja, vielleicht ist Ello ein wenig mehr Erfolg beschieden. Für den Anfang sieht es ganz nett aus. Katzencontent halt. Und schlecht fotografiertes Essen. Und @huckhaas natürlich.

„Ello ist in der aktuellen Form eher vergleichbar mit Twitter (ohne Zeichenbegrenzung), Medium oder Tumblr. Wer weiß, was daraus wird. Lasst die Leute bei Ello mal arbeiten.“

„Aussieben von Schule kann nicht Aufgabe von Schule sein“ | sueddeutsche.de
Der Herr Mayer-Schönberger ist so ein Tausendsassa aus Österreich, der in Oxford ein Professor für Internetzeugs ist. Neulich sah ich ihn in Berlin beim Kommunikationskongress der Pressefuzzis, wo er eine sehr beeindruckende Keynote zu Big Data hielt. Ja, dachte ich, so muss ein ein Akademiker eine Rede halten: kurze, prägnante Geschichten, klug bepowerpointet, witzig rüber gebracht. In diesem Interview mit der Süddeutschen regt er an, Lehrer sollten Big Data nutzen, um die Lernfortschritte von Schülern besser beurteilen zu können. Ich glaube, er hat mit allem Recht, aber genauso gut könnte man fordern, dass alle Amerikaner ihre Waffen abgeben müssen.

Das Bildungssystem ist ein Ökosystem, das sich mit Innovationen sehr schwer tut. Das liegt zum einen daran, dass Schulbuchverlage und Entscheider in der Bildung eher konservativ sind und Lehrmethoden oft auf Stereotypen, Präferenzen und Ideologie basieren. Aber auch viele Eltern sorgen sich, wenn ihre Kinder mit neuen Methoden konfrontiert werden, die noch nicht erprobt sind. Deshalb sträubt sich Bildungspolitik gegen Big Data und bleibt lieber beim Bewährten.“

Lieblingsfarben und Tiere | EoC-Links, 3.10. 2014

Im eigenen Museum 〉taz

„So ausgefeilt es textlich ist, so festgefahren klingt die Musik – es gibt in den zehn Songs wirklich keinen einzigen Überraschungsmoment.“

Jens Uthoff hat nicht ganz unrecht. Es ist halt eine typische EoC-Platte. Aber was hätten sie denn auch machen sollen: Jazzrock spielen?

Der Charme des Berechenbaren 〉dpa
Wer EoC haben will, muss auch EoC bekommen. Findet auch die dpa.

„Wer von einem neuen Album des Berliner Quartetts Element Of Crime eine grundsätzliche Kursänderung erwartet, hat das Prinzip nicht verstanden. Die Band pflegt ihre Nische, und zu Recht: Schöne Popmusik mit tollen Texten kriegt hierzulande niemand besser hin. Da ist er also wieder, dieser vertraute Sound. Eine charmante Mixtur aus Schrammelpop, Seemannslied, Akkordeon-Walzer und Rumpel-Folk, dass einem ganz warm wird ums Herz.“

Regeners wundersame Momente 〉ZEIT online
Thomas Winkler will sich an Sven Regeren „annähern“, aber so richtig gelingt ihm das nicht. Entweder wärmt er olle Kamellen auf („Wutrede“) oder er wundert sich über Regeners Andersartigkeit, die er aber als Frühvergreisung denunziert. Regener Weltfremdheit  zu attestieren, kann eigentlich nur jemand, der seine Texte nicht genau liest. Denn Sven Regener schaut dem Leben ganz genau auf die Finger. Und dazu muss man nah ran gehen.

„Gleichsam kultiviert Regener eine wissende Weltfremdheit, einen zwinkernden Ekel vor der Moderne. Er findet damit ein Publikum, das sich gut zurechtfindet in dieser Welt, aber doch gern einen ironischen Sicherheitsabstand ziehen möchte. Distinktion durch bloß behauptete Differenz.“

Element Of Crime: Lieblingsfarben und Tiere 〉Wiener Zeitung
Ja, zuhören muss man schon:

„“Lieblingsfarben und Tiere“ verzichtet auf jegliche Instant-Hits und leistet sich die Anmaßung, Erlebniszeit zu fordern. Eine interaktive Platte also in dem Sinne, als sie erst mit der tätigen Zuwendung des Hörers ihre Stärken offenbart: Ihre formale Geschlossenheit bei besonderer stilistischer Vielfalt und etwa auch das sichere Zusammenspiel von Melodien und Stimmungen – oder die sehr ordentliche Dynamik, die noch mehr als schon bisher auf den primären Träger des EOC-Sounds, nämlich Jakob Iljas Gitarre, baut.“

„Die Freaks sind immer da“ 〉The European

„Regener: Man muss sich mal vor Augen führen, wie langweilig dieser Rock&Roll-Lebensentwurf auf Dauer werden kann. All die alten Rockstars à la The Who, David Bowie oder Mick Jagger haben das ja nach außen gelebt, aber sich nach der Tour aufs Land in ihre Cottage Houses zurückgezogen, wo sie dann die Rosen zurechtschnitten. Dann wieder auf Tour und anschließend wieder Rosen schneiden. Hin und her – wie die Wikinger. Das ist so etwas wie eine Quartalsbesoffenheit. Davon will das Publikum aber nichts wissen.

The European: Wieso?
Regener: Man will dem Künstler als Künstler begegnen, das überhöht ihn ja auch. Die Enttäuschung ist groß, wenn man feststellt, dass diese sagenumwobene Gestalt genauso langweilig ist wie wir alle und sich nur dadurch auszeichnet, dass sie gewisse Dinge gut festhalten kann.“

Element of Crime: Lieblingsfarben und Tiere 〉RP online

„Man kriegt Lust auf Sprache, wenn man Regener zuhört, man muss sich nur mal den Titelsong genauer ansehen. Eigentlich kann kein Mensch so etwas singen, ohne dass es hölzern wirkt und doof. Aber Regener kann das: „Schön dass du persönlich an der Tür/ Die Klingelleitung testest/ Du hast recht, da ist technisch nicht alles 1a/ Im Schwachstromsignalübertragungsweg/ Gibt es Durchleitungsprobleme/Doch wer wirklich zu mir will, kommt damit klar. “ „

 

Ronny-Dichte | Links, 2.10. 2014

Das geteilte Land 〉 ZEIT online
So macht Storytelling Spaß. Interessantes Grafik-Material, gute Videos, nicht zu viel Text. Und dann noch eine Grafik zur Ronny-Dichte im Osten Deutschlands: Chapeau!

Verlage empört: Jetzt will Google nicht mal mehr ihr Recht verletzen! 〉 Stefan Niggemeyer
Was für Leute arbeiten eigentlich in unseren Verlagen?

Von Netflix den Spiegel vorgehalten 〉 genrefilm.net
Starker Text zur Frage, ob und wie deutsche Filmstoffe jemals internationales Format erlangen können.

„Deutsche Autoren und Filmemacher diskutieren nicht erst nach der aktuellen Netflix-Klatsche, ob in Deutschland überhaupt genug Handwerk und Übung vorhanden ist, auf internationalem Serienniveau mitzuspielen. »Ich fürchte, dass viele deutsche Produzenten und Autoren, die durch die Mühlen der deutschen TV-Produktion gegangen sind, gar nicht mehr in der Lage sind zu verstehen, was für Netflix internationales Appeal aus macht«, meint Axel Ricke, Regisseur des Sci-Fi-Kurzfilms D-I-M, Deus In Machina (2007) und Produzent bei Lumatik Film. Auch Autor Stephan Greitemeier glaubt: »Die degetoisierten Produzenten sind das Nadelöhr. Sie arbeiten mit degetoisierten Lohnschreibern zusammen, denen zwanzig Jahre Fernsehmarkt jede Innovationskraft ausgepresst haben. Es ist schon bestürzend: Da haben wir nette, clevere Leute, oft mit gutem Geschmack – aber das System hat viele festgefahren und mutlos gemacht.«“

Unabhängige Wissenschaftskommunikation – eine Utopie?

Wissenschaftskommunikation ist heute zumeist PR-getrieben. Sie hat damit ein grundlegendes Glaubwürdigkeitsproblem. Eine unabhängige Wissenschaftskommunikation erscheint einstweilen noch wie eine Utopie.

Ein wenig überrascht war ich schon, dass das Thema „Wissenschaftskommunikation“ in den vergangenen Monaten eine solche Hausse erlebt hat. Wahrscheinlich ist es aber wohl eher dem Zufall zu verdanken, dass sich der Aufruf des Siggener Kreises, das Akademienpapier und die Tagung der Volkswagenstiftung so knubbelten. Zuletzt bereicherte eine Gruppe von Wissenschafts-PR-Leuten die Diskussion mit einer klugen Analyse und konstruktiven Vorschlägen. Eine gute Gelegenheit auch für mich, mal wieder über ein Thema nachzudenken, das so facettenreich ist, und über das doch oftmals in unangemessener Weise gesprochen wird.

Es ist vor allem deshalb so unangemessen, weil der Begriff „Wissenschaftskommunikation“ so unscharf ist, dass selbst so arrivierte Wissenschaftsvermittler wie Florian Freistätter mit dem Begriff fremdeln. Auch Lars Fischer hat gefragt, was das eigentlich sein soll: Wissenschaftskommunikation? Bei genauerer Betrachtung handelt es sich meines Erachtens zumeist um Wissenschafts-PR. Darunter fasse ich das legitime Bemühen von Wissenschaftseinrichtungen, Hochschulen oder auch forschenden Unternehmen, diverse Öffentlichkeiten über die Belange des je eigenen Hauses zu informieren. Dies ist erst einmal nur eine Feststellung: Es geht den Institutionen schlicht und einfach um die positive Gestaltung der öffentlichen Beziehungen.

(Deshalb ziehe ich auch den Begriff „Public Relations“ dem deutschen Begriff „Öffentlichkeitsarbeit“ klar vor. „Public Relations“ ist neutral und besagt vor allem: Ob man will oder nicht, man steht in der Öffentlichkeit und somit auch in der Pflicht, das eigene Wirken zu kommunizieren. Die deutsche „Öffentlichkeitsarbeit“ suggeriert unterschwellig, dass man sich seinen Platz in der Öffentlichkeit erst erarbeiten müsse oder dass die Öffentlichkeit zu bearbeiten sei.)

Wissenschafts-PR hat in den vergangenen zehn bis 15 Jahren deutlich an Bedeutung zugenommen. Vor allem quantitativ: Kaum eine wissenschaftliche Einrichtung verzichtet heute auf eine PR-Abteilung mit möglichst gut geschultem Personal. Mit gutem Grund: man hat begriffen, dass gerade „die Wissenschaft“ eine besondere Verantwortung hat, ihr Wirken zu vermitteln. Aber auch qualitativ: Guter Wissenschafts-PR geht in erster Linie um Information. Gute, fundierte Information impliziert automatisch einen Imagegewinn für die kommunizierende Einrichtung, da sie Vertrauen schafft. Aber gute Wissenschafts-PR ist kein Marketinginstrument, wie so oft unterstellt wird. Marketing und Werbung unterscheiden sich fundamental von der PR, sie nutzen andere Instrumente und haben andere Botschaften. Seitdem viele Personen, die von beidem keine Ahnung haben, mitreden, gerät diese simple Wahrheit immer mehr in Vergessenheit.

Doch selbst mit den ehrenwertesten Absichten spricht PR immer pro domo. Es geht letztlich immer darum, spezielle Interaktionsgruppen für bestimmte Themen oder Ideen zu interessieren oder zu gewinnen. PR ist nicht frei. Das ist – nota bene – nichts Verwerfliches, aber man muss das schon deutlich benennen, wenn man über Wissenschaftskommunikation nachdenkt.

Leider gibt es immer wieder schwarze Schafe, die Wissenschafts-PR in Misskredit bringen. Die jüngst aufgeflammte Diskussion über unstatthafte Übertreibungen in Wissenschafts-Pressemitteilungen hat das deutlich gemacht. Grundsätzlich aber glaube ich, dass die Wissenschafts-PR hierzulande eher brav und recht zuverlässig agiert. Und es scheint mir, dass die vereinzelten Auswüchse eher auf das Konto überehrgeiziger Institutsleiter gehen als auf die von PR-Leuten, die die Spielregeln normalerweise sehr gut beherrschen (sollten).

Im Grunde genommen ist es sogar oftmals recht schade, dass PR-Angebote der Wissenschaftsorganisationen unter der allgemeinen Wahrnehmungsschwelle herumdümpeln. Es finden sich großartige Artikel oder Interviews in den Magazinen von Max Planck, Helmholtz oder Leibniz, die so auch in großen Publikumsmagazinen erscheinen könnten. Auch manches Hochschulmagazin ist exzellent gemacht. Viele PR-Abteilungen probieren neue Kommunikationsformate aus und versuchen, sich den ununterbrochen verändernden, web-induzierten Kommunikationsformen anzupassen. Manche PR-Abteilung mutiert so zeitweise zur FuE-Abteilung. Es existiert fantastisches Material zur Vermittlung von Wissenschaft. Aber es gehört hierzulande leider zum guten Ton, PR-Angeboten grundsätzlich argwöhnisch zu begegnen. Im Zweifel gilt: Was sich PR-Fuzzis ausgedacht haben, kann einfach nicht gut sein. Es gibt nicht wenige Journalisten, die offen damit kokettieren, dass sie Pressemitteilungen und andere PR-Erzeugnisse komplett ignorieren. Noch einmal: Man muss immer wissen, wer der Absender bestimmter Botschaften ist, aber man sollte nicht jeder Botschaft manipulative Absichten unterstellen.

Auf der anderen Seite sind wir nur allzu leicht gewillt, journalistischen Beiträge, die in vermeintlich unabhängigen Medien erscheinen, von vorne herein ein Qualitätssiegel aufzudrücken. Denn hier – so hört man es immer wieder – sei ja der Wissenschaftsjournalist als unbestechlicher Gatekeeper und Qualitätsgarant am Werke. Das – mit Verlaub – ist eine fromme Legende und eine ebenso fahrlässige Einstellung, als würde man PR-Erzeugnissen komplett unkritisch gegenüber stehen. Denn natürlich hat auch das scheinbar unabhängige Medium (und sicher auch der Journalist) Interessen. Die können sogar schwerer wiegen als manche voreilige Erfolgsmeldung aus PR-Abteilungen. Das Medium muss sich am Markt verkaufen, es muss auf Masse setzen. Ein Beitrag zu einem wissenschaftlichen Thema im TV muss schon zu besonderen Darstellungsformen greifen, damit die Zuschauer nicht gleich hundertausendfach zu leichteren Inhalten wegzappen. Der so oft eingeforderte Qualitätsjournalismus mutiert dann ganz schnell zu effekthascherischem Seicht-Content. Auf der anderen Seite gibt es in der Tat hochqualitativen Wissenschaftsjournalismus. Und wer würde nicht mit Sorge sehen, wie darbende Verlagshäuser nur allzu leichtfertig bereit sind, gute Berichterstattung über wissenschaftliche Themen achselzuckend zu opfern?

Doch wenn auch dem Journalismus nicht uneingeschränkt zu trauen ist: Wo bekommt der geneigte Bürger denn nun möglichst ungefilterte, weitgehend interessefreie, qualitätsvolle Informationen über Wissenschaft? Beim Wissenschaftler selbst? Auf dessen Blog oder bei einem Institutsbesuch in der „Langen Nacht der Wissenschaften“? Beim Science Tweetup im Labor? Vielleicht hier noch am ehesten – aber ist der Wissenschaftler/ die Wissenschaftlerin nicht auch Teil des Systems? Muss er/ sie nicht auch dafür sorgen, dass der Laden/Lehrstuhl nächstes Jahr auch noch läuft, rennt er/ sie nicht auch unermüdlich im Drittmittel-Hamsterrädchen? Sind Wissenschaftler/-innen nicht PR-Agenten in eigener Sache? Ist es nicht verlockend für Wissenschaftler, im Interview mal ein bisschen zu übertreiben, weil der Journalist dann so glücklich schaut? Wie oft versprechen Wissenschaftler in der gleißenden Öffentlichkeit Dinge, die sie noch gar nicht einzulösen vermögen?

Wo wir auch hinsehen: Wir finden so gut wie keine Informationen über Wissenschaft, die nicht interessegeleitet sind. Vielleicht haben ja doch Marcinkowski/ Kohring, die beiden ‚bösen Buben‘ von der Tagung der VolkswagenStiftung, recht? Ihre These – wenn ich sie recht verstanden habe – lautete doch: Wissenschaftskommunikation, die zumeist auf öffentliche Aufmerksamkeit ausgerichtet ist, sei der Eigenlogik der Wissenschaft fremd und damit abzulehnen, weil letztlich der Wissenschaft selbst schädlich.

Wenn man es aber dennoch versuchen wollte: Wie müsste eine möglichst unabhängige Wissenschaftskommunikation aussehen? Und was wäre eigentlich zu vermitteln? Bzw.: Was will der wissenschaftsinteressierte Bürger eigentlich wissen? Wo möchte er möglicherweise sogar mitwirken? Man könnte könnte an dieser Stelle einwerfen, dass dies das originäre Hoheitsgebiet von Einrichtungen wie dem NaWik oder „Wissenschaft im Dialog“ (WiD) ist. Und in der Tat übernehmen sie viele wichtige Aufgaben in diesem Bereich. Gerade in jüngster Zeit hat WiD mit richtungsweisenden Projekten wie Sciencestarter, Fast Forward Science oder der Citizen-Science-Plattform „Bürger schaffen Wissen“ von sich reden gemacht (die mein Arbeitgeber, der Stifterverband, finanziell unterstützt). WiD ist ein unverzichtbarer Akteur der Wissenschaftskommunikation – und doch finanziell abhängig von den großen Wissenschaftseinrichtungen. Das schmälert nicht die gute Arbeit von WiD oder die guten Absichten der fördernden Einrichtungen. Aber es bestätigt meine These, dass Wissenschaftskommunikation bislang immer von Interessen abhängig ist.

Wissenschaftskommunikation wird wohl erst dann eine wirklich breitenwirksame Akteurin mit hoher gesellschaftlicher Akzeptanz, wenn es ihr gelingt, möglichst unabhängig von der Wissenschafts-PR und staatlicher Finanzierung zu agieren. Etwas wirklich Neues wächst so gut wie nie innerhalb eines bestehenden Systems heran. Das Neue kann sich nur außerhalb entwickeln. Ein erster Schritt wäre beispielsweise ein bürgerfinanziertes Wissenschaftsinformationsportal, das zugleich ein Entwicklungslabor für neue Formen der Wissenschaftsvermittlung ist. Doch ist das auch halbwegs realistisch? Eine weithin sichtbare Einrichtung zur Vermittlung von Wissenschaft, die vollkommen unabhängig von den Granden der deutschen Wissenschaft agiert? Ein mutiger Impulsgeber jenseits der Abhängigkeiten des bestehenden Wissenschaftssystems? Eine Keimzelle für neue Kommunikationsformen, geführt von unabhängigen Köpfen, ohne dass die Politik hineinfuhrwerkt? Für mich klingt das unglaublich verlockend, realistisch ist es wohl eher nicht.

Übelst unheimlich | Links, 25.9. 2014

Why Your Cousin With a Ph.D. Is a Basket Case | Slate
Sieht so aus als sei die Lage des akademischen Nachwuchses in den USA noch deutlich prekärer als hierzulande.

„If he beats all the odds and gets that precious offer at Southwestern Prairie Technical College, his cycle ends, mercifully, in March. If he doesn’t, then he’s off to the “secondary market,” a rolling collection of ads for one- and two-year “visiting” positions. Visiting from where? you might ask. From nowhere.“

How Steve Jobs Reinvented Leadership | Forbes
Noch immer trauern sie dem guten, alten Steve Jobs nach. Frage mich wirklich, was an all den Kolportagen über sein Wirken und Wesen wahr gewesen ist.

„Steve embodied principles which we need to believe are possible at this point in time: The idea that work and passion can go hand-in-hand. That success can be a consequence of a life lived fully. That who we are can shape our work roles, and not the other way around. That being authentic can be rewarded, and enduring derision and failure without losing faith is ultimately worth it. That the true measure of success is how much meaning your work brings to yourself and others.“


Brrrr.

Ein Schulterklopfen für den Ich-Journalismus | Buch als Magazin
Das Wörtchen „Ich“ ist in manchen Texten einfach nicht erwünscht. Man denke an die meisten akademischen Textgattungen. In meinen Hausarbeiten an der Uni habe ich es tunlichst vermieden und mich fürchterlich verrenkt: „…der Verfasser dieser Zeilen….“. Im Journalismus ist „Ich“ zumeist immer noch verpönt. Aber langsam bröckelt die Front. Peter Wagner findet’s gut.

Erster Drehtag vom Franz-Jacobi-Filmprojekt | Der Westen
Das crowdgefundete Filmprojekt zur Gründungsgeschichte des BVB ist gestartet. Jippieh.