Neue Perspektiven für die Ökonomie – Interview mit Robert Johnson

Am ersten Tag der Konferenz hing er etwas in den Seilen. Der Jetlag steckte ihm in den Knochen und er wirkte etwas zerknittert. Robert Johnson, der einflussreiche Direktor des Institute for New Economic Thinking (INET) in New York, war direkt aus den USA zur Ökonomie-Tagung von Stifterverband und Handelsblatt nach Frankfurt gekommen. Am zweiten Tag aber war er voll da. Da merkte man, was für ein energiereicher Mensch dieser ehemalige Hedgefonds- Manager ist, den die Finanzkrise zu einem energischen Kritiker des Systems gemacht hat, für das er einst selbst stand.

Er macht keinen Hehl daraus, auf welcher Seite er heute steht. Am Rande der Konferenz gab er dem Kollegen Timur Diehn ein grandioses Interview. „Im Kern“, sagte er darin, „geht es bei der Ökonomie um Politik und Macht. Und die Frage, die sich jeder Ökonom stellen muss ist: Welcher Macht will ich dienen: Dem allgemeinen gesellschaftlichen Wohl oder privaten finanziellen Interessen?“

In der Überfülle des Materials, das wir bei dieser Konferenz sammeln konnten – 15 Stunden Live-Stream-Footage, unzählige Experten-Interviews – hätten wir das großartige Johnson-Interview im Konferenz-Nachbereitungstrubel fast übersehen. Und das – wird mir heute beim nochmaligen Anschauen bewusst – wäre wirklich schade gewesen.