Meine Abenteuer mit der F.A.Z.

Ich gebe auf, denn ich kann nicht mehr. Ich habe alles gegeben, aber der Wächter lässt mich einfach nicht ein. Ich habe Stunden um Stunden verbracht, habe gemailt, telefoniert – vor allem telefoniert – , ich habe mich wirklich bemüht, aber der Eingang bleibt vor mir verschlossen.

Dabei ist mein Ansinnen eigentlich ein Alltägliches. Es sollte eigentlich binnen Minuten erledigt sein, und alle Beteiligten könnten glücklich bis ans Ende ihrer Tage leben. Weit gefehlt: Die weithin gerühmte Qualitätszeitung F.A.Z. auf dem iPad zu lesen ist mir nicht vergönnt. Dabei ist mein Fall gar nicht so ungewöhnlich. Mein Arbeitgeber bezieht mehrere F.A.Z.-Abos und in Kombination mit einem dieser Abos möchte ich das vergleichsweise kostengünstige e-Paper-Angebot nutzen. Denn ich lese die Zeitung vor allem im beruflichen Kontext.  Das bekommt die ehrwürdige Zeitung aber nicht hin. Eine kurze Zeit lang konnte ich zwar tatsächlich die Zeitung auf dem iPad lesen, aber dann erhielt ich irgendwann die gesalzene Rechnung, nämlich ohne den kombinierten Abo-Rabatt. Was folgte waren quälende Vormittage in der Hotline der F.A.Z., Gespräche mit immer freundlichen und hilfsbereiten, aber oft ahnungslosen Hotline-Mitarbeitern, Kundennummer- und Auftragsnummer-Orgien, die ständige Versicherung, jetzt sei alles in Ordnung und ich könne mich problemlos einloggen … Nein, nichts war in Ordnung. Nirgendwo konnte ich mich einloggen, immer blinkten Fehlermeldungen, immer waren meine dargebotenen Kundennummern, Auftragsnummern, Passwörter oder Anmeldennamen wahlweise falsch oder unbekannt. Zwischenzeitlich schickte die Zeitung Mahnungen, worauf wieder Anrufe nötig wurden und die abermalige Zusicherung, jetzt habe man aber alles eingerichtet.

Dann kam der Tag des heldenhaften Hotline-Mannes, des Möglichmachers, des unerschrockenen Kämpfers im Namen der Kundennummer, der nur sagte: „Oh, das ist aber unübersichtlich! Aber das kriegen wir hin!“ Ja, Hoffnung keimte in mir auf, im gramgebeugten Fast-FAZ-Leser  glomm noch ein Fünkchen Leben, müde hob ich die bleischweren Lider: Sollte da draußen wirklich noch echtes Leben sein? Ja, der Hotline-Held hauchte seinen lebensspendenden Odem aus, und siehe da: es ging! ES GING! 

Ich konnte F.A.Z. auf dem iPad lesen! Es kam die richtige Rechnung! HURRA! Doch, ach, die Freude währte nicht lange. Denn ein Jahreswechsel stand an. Ja, ein Jahreswechsel, der offensichtlich verheerende Wirkung auf das Kundennummer- und Auftragsnummer-Management der F.A.Z. hat. Ich bin wieder unbekannt. Ich bin wieder ein Niemand. Die iPad-App erkennt mich nicht mehr. Alle Nummern-, Anmeldenamen- und Passwort-Kombinationen fruchten nichts: Man will mich nicht. Und es ist mir gleichgültig: Sollen sie ruhig hunderte von Euro in Rechnung stellen, ich werde mich nicht mehr rühren. Ich bin ein gebrochener Leser. Ein nachhaltig geschädigtes Hotline-Opfer. Das Wort „Auftragsnummer“ verursacht mir Schmerzen.

Nur eines bereitet mir in lichten Momenten hin und wieder ein wenig Freude. Dann richte ich mich schwerfällig auf, geblendet von dem schmalen Sonnenstrahl, der durch die nicht ganz geschlossenen Fenstervorhänge fällt, und blinzle lächelnd vor mich hin: Von allen Zeitungs-Apps, die ich jemals auf dem iPad las, ist die der F.A.Z. mit Abstand die Schlechteste.

1 Kommentar Schreibe einen Kommentar

  1. Guten Tag,
    eine ähnliches Abenteuer erlebte ich mit dem FAZ-Archiv. Die Suche nach einem bestimmten Wort öffnete mehrere Seiten mit Artikelüberschriften. Ich wurde fündig, der gesuchte Artikel war dabei. Da man jedoch für 5€ kaufen muss, der einzelne Artikel nur 2€ kostet, habe ich zwei weitere Artikel angeklickt. Anschliessend wurde der Kauf getätigt und ich konnte die Artikel herunterladen. Wie gross war mein Erstaunen, als ich am nächsten Tag die Abrechnung in meinem Postfach fand ( diese würde über Nacht gemailt). 58€ für 28 Artikel, dabei waren nicht einmal die Titel angegeben. Zwei Artikel befinden sich auf meinem Computer, alle anderen habe ich weder angeklickt noch heruntergeladen. Einen Warenkorb gibt es bei FAZ-Archiv nicht, somit ist die Möglichkeit einer Korrektur nicht gegeben. Man weiss nicht was man schlussendlich gekauft hat. Wie schnell hat man irrtümlich etwas falsch angeklickt. Ich jedenfalls weiss ganz genau, dass ich keine 28 Titel angeklickt und geöffnet habe. Ich hoffe nur, die Informatiker bei FAZ-Archiv erkennen, dass ich die Titel nicht heruntergeladen habe und man mir mein Geld zurück erstattet.
    Dies soll eine Warnung an alle sein, die Dienste der FAZ mit grösster Vorsicht zu geniessen.
    Mit freundlichen Grüssen,
    Ed Kohn