lit.RUHR: Wir müssen reden, Xavier!

Xavier. Gna. Wer kommt eigentlich auf die Idee deutschen Sturmtiefs spanische Namen zu geben? Nennen Spanier ihre Hochs vielleicht auch mal Karl-Heinz? Oder Uwe?

Na, jedenfalls bedeutet Xavier, dass eine Reihe von Lesungen heute auf den Bühnen unter Personalmangel leiden. Moritz von Uslar und Lucas Vogelsang können nicht über „Heimat“ plaudern, weil sie in selbiger bleiben mussten. Und Nick Hornby muss allein über Fussball reden, weil Joachim Król partout nicht aus Berlin nach Essen zu schaffen war. Nick Hornby hat den Weg aus London offensichtlich unbeschadet und pünktlich hinter sich gebracht. Im schönsten Brit-Englisch erzählt er vom Krieg, also von der Zeit vor „Fever Pitch“, als er Samsung-Managern Sprachunterricht geben sollte, diese aber daran kein Interesse zeigten, sondern lieber Hunde züchten wollten. Es war wohl dann etwas schwierig für ihn, ständig neue Welpen zu beschaffen, wenn man um kulinarische Vorlieben von Koreanern weiß…

Scheint ein hübsch anekdotischer Abend zu werden, doch bevor es so weit kommt, springe ich doch schnell mal rüber zu Anneke Kim Sarnau und Bjarne Mädel, die an diesem Abend miteinander reden wollen und müssen. Obwohl man sich auf einer Zeche befindet, kommt man nicht untertage von Halle 12 zur Halle 5. Xavier hat das Zollverein-Gelände nämlich in einen Sumpf verwandelt, Stelzen wären jetzt nicht schlecht. Halle 5 ist mehr als knallevoll, aber ein Plätzchen ganz hinten finde ich noch und erahne in rund 700m Entfernung Frau Polizeiruf und Herrn Tatort(reiniger) auf der Bühne. Die sind offensichtlich bestgelaunt und exerzieren dabei alle Phasen partnerschaftlich-familiären Diskutierens durch: Von dummen Anmachgesprächen (Max Goldt!) über enervierende Ehegespräche (schon wieder: Nick Hornby), Ehepaare, die einen Witz erzählen (Kurt Tucholsky) bis hin zu Müttern, die partout nicht auf den frühsonntäglichen Anruf beim Sohnemann verzichten wollen. Letzteres ein herrlicher Herr-Lehmann-Text von Sven Regener. Und so sehr auch Bjarne Mädel dabei glänzt: Diesen speziellen, krähenden, norddeutschen Regener-Sound bekommt nur der Meister selbst richtig hin.

Und der ist ja morgen Abend hier und liest aus „Wiener Straße“. Und ich werde dabei sein, wenn Xavier nix dagegen hat.

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