Life Is Great #4 | 7. November 2018

Es ist schon erstaunlich, wie Apple es immer wieder schafft, sich mit überaus profanen Dingen ins Gespräch zu bringen. Ende Oktober präsentierten sie in New York neben dem iPad zwei neue Geräte, die bei anderen Computerherstellern wahrscheinlich mit Schulterzucken zur Kenntnis genommen worden wären. Apple erneuerte zwei Uralt-Geräte – das MacBook Air und den Mac Mini – indem sie sie moderat an den Stand der Technik anpassten. Man kann diese Geräte jetzt kaufen, ohne sich für ihre Specs schämen zu müssen. Wenn es wenigstens so gewesen wäre, dass die neuen Geräte mit irgendwelchen Überraschungen ausgestattet gewesen wären. Aber nein, nichts dergleichen. Das Air ist jetzt so ähnlich ausgestattet, wie die bereits vorhandenen alternativen MacBooks der Pro-Reihe. Es hat jetzt einen Retina-Bildschirm, einen aktuellen Prozessor, ein bisschen Secure-Schnickschnack. Ach ja, und es hat mit Touch-ID eine Technologie, die auf den Mobildevices schon wieder zu den ausrangierten Features zählt. Wenn schon das neue iPad Pro mit Face ID läuft, warum dann nicht auch die neuen Macs? Beim Air feiert Apple Touch-ID als großartiges Feature.

Unklar bleibt beim Line-Up die künftige Rolle der kleinen MacBooks, die schon immer über Retina-Bildschirme verfügten, dafür aber nur mit schwachbrüstigen Prozessoren ausgestattet waren. Diese Geräte wären dafür prädestiniert gewesen, die alte Air-Reihe vergessen zu lassen. Stattdessen nehmen sie jetzt die Rolle der Airs ein: veraltet und überteuert. Wieso schafft es die wertvollste Firma der Welt eigentlich nicht, ihr Angebot in angemessener Zeit zu aktualisieren? Wieso dümpeln erfolgreiche und bei den Kunden beliebte Geräte jahrelang ohne Update herum? Es scheint fast so, als sei alles bei Apple auf die iPhone ausgerichtet. Und alles andere kommt dann mal dran, wenn gerade ein bisschen Zeit übrig bleibt.

Zwischendurch wird ein bisschen an den Betriebssystemen herumgeschraubt. Allerdings auch immer – siehe Hardware – mit gebremstem Schaum. iOS verfügt immer noch nicht über ein File-System, das man als halbwegs professioneller User verdient hätte. Die Adapteritis über den Lightning-Anschluss ist ein Ärgernis, ein teurer noch dazu. Daran wird wohl auch der neue USB-C-Anschluss im iPad Pro erst einmal nichts ändern. Externen Speicher an ein iPad zu koppeln, ist auch 2018 nicht möglich, obwohl jedes MacBook das natürlich klaglos kann. Warum kann man ein iPad immer noch nicht so nutzen, wie man es gerne möchte? iOS ist immer noch viel Gefrickel und vieles, was auf macOS selbstverständlich ist, ist mobil oft nur über Umwege erreichbar.

Mir ist schon bewusst, dass ich hier auf hohem Niveau jammere. iOS hat sich ja mit der Version 11 schon rasant weiterentwickelt und vieles richtig gemacht. Split-Screen bietet großartige Möglichkeiten und auch die Art, wie Apps miteinander agieren können. Es ist eine Freude zu sehen, wie tief mittlerweile eine zentrale App wie 1Password ins System integriert ist. Hier kann sich macOS wiederum ein große Scheibe abschneiden. Oder welch ungeahnte Möglichkeiten vergleichsweise kleine Apps wie Drafts oder Things entwickeln und das tägliche Arbeiten erleichtern und strukturieren. Ganz zu schweigen von Shortcuts, das zwar ein bisschen nerdig ist, aber ein gleichwohl nützliches Tool, um Aufgaben zu automatisieren.

All das zeigt: Apple hat es ja voll drauf. Das iPad wird über kurz oder lang die Büros dieser Welt erobern. Notebooks herkömmlicher Art werden marginalisiert, weil sie weder bei der Portabilität noch bei den Systemfeatures werden mithalten können. iOS wird in hoffentlich nicht allzu ferner Zukunft zum neuen Windows avancieren. Im Zusammenspiel mit iPhones und der Watch werden iPads zum unwiderstehlichen Standard der Business-Welt werden, weil einfach alles zusammenpasst: Formfaktor, Funktionalität, Sicherheit, Zubehör (Keyboards, AirPods, Pencil).

Und doch stellt sich die Frage, warum Apple bei Hard- und Software-Entwicklung oft so zögerlich vorgeht. Warum konzentrieren sie sich nicht viel konsequenter auf jene Produktlinien, die in die Zukunft weisen? Warum präsentieren sie Geräte, die schon beim Erscheinen von anderen Produkten aus dem eigenen Haus als überholt gelten müssen? Das kleine Normal-iPad, das im Frühjahr 2018 vorgestellt worden ist, kann doch niemanden ernsthaft hinter dem Ofen vorlocken. Spätestens mit der Vorstellung der ganz neuen iPads im Oktober 2018 sind diese Geräte bereits outdated. Und da das kleine iPad ja eindeutig auf dem Bildungsmarkt ausgerichtet ist: Ist es fair, Geräte für Schulen anzubieten, die zwar vergleichsweise preiswert sind, aber kurz nach Veröffentlichung schon nicht mehr state-of-the-art?

Vielleicht denken die klugen Leute in Cupertino, dass man für jeden Geldbeutel und für viele verschiedene Anwendungszwecke etwas im Köcher haben muss. Vielleicht wollen sie auch einfach nur in möglichst vielen Produktkategorien absahnen (was ich nicht verwerflich finde). Vielleicht wollen sie die lautstarken Nostalgiker zufriedenstellen und werfen ihnen ein eigentlich überflüssiges MacBook Air hinterher. Meiner Meinung nach verzetteln sie sich hier, weil sie es zu vielen recht machen wollen: Die Pro-Nutzer nicht vergrätzen und die weniger Ambitionierten nicht durch ausschließlich elitäre Geräte und Preise verschrecken.

Ich denke, was die Produkt-Line-Ups angeht, sollte Apple ähnlich rigoros vorgehen, wie bei ihrer rücksichtslosen Schnittstellen-Politik. Auch hier wird ja alles Gestrige und scheinbar Überflüssige rigoros rausgeworfen. Warum übertragen sie diese Philosophie nicht auf ihre Geräte: ein iPhone, ein iPad, ein MacBook und ein Desktop-Mac? Diese sind dann noch bei Bildschirmgrößen und Speicher individuell konfigurierbar und that’s it! Und dann wird diese sehr übersichtliche Zahl von Geräten kontinuierlich upgedated: neue Chipsätze, neue Grafik, neue Bildschirme, neue Software-Features. Als Apple-Kunde könnte ich dann sicher sein, immer die neueste und beste Technologie zu bekommen.


Das Kind überredete mich, mal wieder ein BVB-Spiel live im Stadion anzusehen. Gegen die Eisernen aus Berlin im DFB-Pokal waren noch genügend Karten im freien Verkauf zu bekommen. Und so schlugen wir halt zu.

Natürlich geht nichts über das Live-Erlebnis, zumal im Westfalenstadion. Es ist einfach großartig, nicht auf den Kamerablick des TV angewiesen zu sein, sondern das ganze Spielfeld überblicken zu können. Man sieht halt viel besser, wie Angriffe und Konter laufen, wie die taktische Ausrichtung der Mannschaften ist. Noch viel beeindruckender sind allerdings die akustischen Bedingungen in so einem Fußballstadion. Wir saßen nun näher am Gästeblock als an der Süd, was zur Folge hatte, dass wir die Stimmgewalt der Union-Anhänger über 120 Minuten unmittelbarer im Ohr hatten als die der vielgepriesenen Süd. Schon beeindruckend, was die mitgereisten 7.000 bis 8.000 Berliner Fans da rein stimmlich in den Äther drückten.

Bei uns im Block war auch eine Menge los, vor allem weil die Leute um uns herum unter einem kaum stillbaren Durst litten. Manche schienen allerdings auch mehr Flüssigkeit wegzubringen als sie zu sich nahmen. Ein Typ in unserer Sitzreihe befand sich – ungelogen – 120 Minuten entweder auf dem Weg zum Pott oder zurück zu seinem Platz. Er war aber immer freundlich und gut gelaunt, so dass ihm niemand böse war für seine immerwährende Wanderschaft. Überhaupt waren alle gut drauf und mit zunehmendem Brinkhoffs-Genuss stieg auch die Lust, selbst bei unbedeutenden Ereignissen auf dem Spielfeld aufzuspringen, wild zu fuchteln und Drohungen auszustoßen. Dabei wurden auch sehr schöne Bonmots geprägt. Zum Beispiel die, dass der – selbstredend unfähige – Schiri eine gelbe Karte für den Gegner erst „auf Zuruf“ vergeben habe. Und damit war nicht der VAR gemeint (den es im DFB-Pokal ja gar nicht gibt), sondern das die Karte fordernde Publikum.

Überhaupt: Brinkhoffs No.1! Was ist das für eine fürchterliche, ungenießbare Plörre? Die zudem noch von dermaßen unfähigen Zeitlupen-Zapferteams verkauft wird, dass es ein schieres Wunder ist, dass überhaupt jemand in diesem Stadion ein Bier bekam. Das Kind hat jeweils noch die ersten fünf Minuten jeder Halbzeit damit verbracht, in der Schlange zu cstehen und auf Plörre No. 1 zu warten.

Die Verlängerung hatte sich wirklich niemand gewünscht, vor allem, weil da wirklich alle nur noch auf Klo mussten. Es war ein munteres Kommen und Gehen, aber die Junx in der Reihe vor uns brachten auf dem Rückweg immer gleich zwei neue volle Becher für jeden Kumpel mit. Bei den Wartezeiten am Zeitlupen-Bierstand können sie vom Spiel netto nicht mehr als ca. 10 Minuten gesehen haben. Aber egal – sie waren prima drauf. Beim Elfer-Siegtor von Marco Reus spielten sich rührende Verbrüderungsszenen ab. Und kurzzeitig waren sogar die Eisernen mal still. Oder auch auf Klo.

Ich sag‘ doch: Es geht nichts über das Live-Erlebnis!

Ein Abend im Westfalenstadion

War ja zu erwarten gewesen, dass House of Cards ohne Kevin Spacey nicht funktioniert, aber dass es so öde wird, hätte ich nun doch nicht erwartet. Mrs. President läuft die ganze Zeit auf High-Heels durch die Gegend und guckt diabolisch. Irgendwelche völlig irrelevanten Figuren, deren Namen man sich noch nicht mal merken kann, spielen irgendwelche Politfiguren in irgendeinem völlig undurchsichtigen Politspiel um Macht und Einfluss. Das ist alles so komplett langweilig, die Figuren bleiben blass, ihre Motivation unklar, man will sich mit keiner einzigen Figur identifizieren. Man will vor allem nicht mehr die deplatzierte Synchronstimme von Claire Underwood hören müssen. Eigentlich geht das ja schon zwei, drei Staffeln lang so, aber jetzt ist es wirklich Zeitverschwendung. Inmitten der vierten Episode habe ich abgeschaltet. Und ich werde nicht wieder einschalten.

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