Krisengedanken, oder: Wo ist eigentlich Georg Schramm?

Seit wie vielen Monaten schauen wir jetzt fassungslos auf die immer neuen Kapriolen der Politik in Sachen Banken- und Finanzkrise? Jeden Tag neue Finanzlöcher und Schreckensnachrichten, Rettungsschirme, die nicht groß genug sind. Konzepte, Rezepte, Meinungen en masse. Jeden Tag erklären uns die immer gleichen Gesichter, warum das, was jetzt unbedingt gemacht werden muss, ohne Alternative ist. Jeden Tag werden die Summen größer: Es dauert wohl nicht mehr lang, dann werden aus den Milliarden Billionen werden. Dazu die kryptische Sprache der Ökonomen: Euro-Bonds? Target2? Comprende? Dazwischen die eiserne Kanzlerin, in Brüssel, in Paris, in Rom: lächelnd, im bunten Blazer, neue Vorschläge brüsk ablehnend, dann zurückrudernd, schließlich klammheimlich doch zustimmend.

Ich frage mich, wo eigentlich die große intellektuelle und gesellschaftliche Auseinandersetzung mit dieser verheerenden internationalen Geldkrise bleibt? Warum empören wir uns eigentlich nicht angesichts des Kasperletheaters dieser ganz offensichtlich überforderten Menschen, die sich jeden Tag als Euro-Retter aufspielen?

Weil eh keiner mehr durchblickt? Kann sein. Aber das wäre um so schlimmer.  Mir scheint, dass man in Deutschland noch gar nicht so richtig begriffen hat, dass da gerade eines der wichtigsten europäischen Projekte der jüngeren Geschichte den Bach runtergeht. Es scheint uns völlig gleichgültig zu sein. Wir streiten uns lieber monatelang über weltbewegende Themen wie das Urheberrecht. Diesen ganzen unappetitlichen Geldkram überlassen wir lieber den hütchenspielenden Volkswirten: Die werden’s schon richten. Oder auch nicht. Wieso nehmen wir es eigentlich hin, dass diejenigen, die uns die ganze Suppe eingebrockt haben – die Banker – bis auf den heutigen Tag ihr unverantwortliches Tun ungestraft weiterführen dürfen? Fürstlich entlohnt und gesellschaftlich hoch angesehen.

Vielleicht haben wir aber auch gar keine unabhängigen Intellektuellen mehr? Günter Grass schreibt nur noch seltsame Gedichte und ansonsten sind wir ja eh schon dazu übergegangen, uns die Welt von Richard David Precht erklären zu lassen. Armes Deutschland.

Wo ist eigentlich Georg Schramm?