Klugscheißen (0814)

taz über Zeh
Es gab Zeiten, da wäre ich durch die halbe Stadt gefahren, um eine taz zu kaufen: sie war frisch, anders, irgendwie aufregend anregend. Heute empfinde ich sie als hochideologisches Käseblatt, das rücksichtslos seine Vorurteile pflegt. Enno Stahls grauenhaft dummer Artikel über Juli Zeh ist ein Paradebeispiel. Man muss die Zeh noch nicht mal besonders mögen, um zu sehen, dass sich hier einer krampfhaft einen hübsch-beliebigen Zitatbaukasten zusammensetzt, der die umtriebige Dame irgendwie in ein bourgeois-abgehobenes Zwielicht rückt. Was würde wohl Bascha Mika zu so einem Schmarrn sagen?

Helmholtz goes Comic
Die Wissenschaftskommunikation entdeckt den Comic. Nachdem die Experten des Wissenschaftlichen Beirats der Bundesregierung Globale Umweltveränderungen (WBGU) vor einiger Zeit den bemerkenswerten Comic-Band „Die große Transformation“ zum Klima-Wandel rausgebracht hatten, geht jetzt die Helmholtz-Gemeinschaft mit einem monatlichen Comic munter voran. Im ersten Comic geht es um Drohnen.

Helmholtz-Wissenschaftscomic No.1 | Bild: Veronika Mischitz/Helmholtz-Gemeinschaft, CC-BY-ND 3.0

Helmholtz-Wissenschaftscomic No.1 | Bild: Veronika Mischitz/Helmholtz-Gemeinschaft, CC-BY-ND 3.0

Henning Krause, Social-Media-Redakteur bei Helmholtz, schreibt zum Launch des Comics:

„Der Helmholtz-Wissenschaftscomic wird Themen des aktuellen Diskurses um die Wissenschaft und Forschung darstellen, manchmal auch kommentieren. Die einzelnen Comics können mal witzig und mal erklärend sein, immer jedoch erzählen sie eine Geschichte rund um die Wissenschaft.“

Schaumermal.

Storehouse
Eine hochinteressante App hat Gerhard Schröder im iOS-Appstore ausgegraben. Sie heißt „Storehouse“ und ermöglicht es, mit Fotos und Videos auf relativ einfache Weise, interessante Longpages zu kreieren. Aus Zeitmangel habe ich mich noch nicht so recht damit beschäftigen können, aber die ersten Ergebnisse von Anderen sehen einfach großartig aus.

Pille danach
Herrrrrlisch!

Borgen, Season 3
Nachdem ich es irgendwie geschafft hatte, dass die überragende dänische Politserie „Borgen“ im TV an mir vorbei gesendet wurde, begann ich kurz vor Weihnachten letzten Jahres dann doch, mir diese wirklich glänzende Geschichte um Macht, Medien und Moral in der dänischen Politik aus der DVD-Konserve zu Gemüte zu führen. Dummerweise musste ich auf das DVD-Erscheinen der dritten Staffel bis Ende Januar 2014 warten. Ein harter Angang. Doch welche Enttäuschung ist diese Season drei! Alles, was die Serie bisher ausmachte, ist hier nur noch in Ansätzen zu finden: die Ränkespiele der großen (internationalen) Politik, das Verhandeln, Kompromisse finden, Lavieren, Intrigieren. Die beiden Hauptdarstellerinnen sind nach wie vor großartig, aber die Geschichte der ehemaligen Regierungschefin Nyborg, die nun noch einmal ganz unten mit einer neuen Partei anfängt, ist einfach schwach und taugt noch nicht einmal zur Blaupause für eine irgendwie vordergründig aufmunternde Steh-auf-Männchen-Parabel.

Lilyhammer, Season 2
Ganz ähnliches passiert leider in der zweiten Lillyhammer-Staffel. Die erste Staffel war fulminant, charmant, hintergründig und auf wunderbare Weise mit interkulturellen Inkompatibilitäten spielend. In Staffel 2 ist alles etwas plumper, abgegriffener, grobschlächtiger. Steven van Zandts unglaublich bescheuerte Mimik kann es irgendwann auch nicht mehr rausreißen und am Ende hat man die saufenden Norweger in Norweger-Pullovern irgendwie ein wenig über.

Blacklist
Dass James Spader einer der ganz Großen ist, hat er spätestens in der Anwaltserie „Boston Legal“ bewiesen. Jetzt gibt er in der RTL-Serie „Blacklist“ so eine Art Ober-Superschurken, der dem FBI andere Superschurken an Messer liefert. Wie das in neueren US-amerikanischen Serien so üblich ist, wird der Zuschauer ständig aufs Glatteis geführt: Man weiß nicht so recht, wo man eigentlich dran ist: Wie böse sind eigentlich die vermeintlich Guten? James Spader alias Raymond Reddington spielt seine zwielichtige Figur so bravourös, dass man ständig „Chapeau“ rufen möchte. Es ist ein großes Vergnügen, den charismatischen Edelschurken im schönsten 70er-Jahre-Outfit durch die Szenerie wandeln zu sehen. Das lässt über manche Schwächen der anderen Figuren generös hinweg sehen. Schließlich schaut man dies hier ja nur wegen James Spader.

Die Klugscheißerin
Sieht so aus, als würde auf Youtube wieder ein ähnliches Massen-Phänomen wie Doktor Allwissend heranwachsen: Die „Klugscheißerin“ macht sich mit erhobenem Zeigefinger und Nerd-Brille auf, als nächstes „Ich-erklär’-Euch-die-Welt“-Geschöpf zu reüssieren. So ganz scheint sie ihren Stil noch nicht gefunden zu haben, das Ganze sieht noch ein bisschen experimentell und unentschlossen aus. Doch die Facebook/WhatsApp-Geschichte von dieser Woche war aber schon mal ganz hübsch. Irritiert war ich alter Rechtschreib-Klugscheißer jedoch von der konsequenten Schreibweise „Die Klugscheisserin“: Sollte die Besserwisser-Dame doch wissen, dass nach langem Vokal oder Diphthong immer ein „ß“ folgt.