Kiezrekorder – ein gelungener neuer Podcast

Ein kleines neues Podcast-Projekt kommt aus Berlin: Kiezrekorder. Klein deshalb, weil die ersten drei bisher erschienenen Folgen nur zwischen 5 und 10 Minuten lang sind. Das hat seinen Grund darin, dass es sich hier nicht um einen der üblichen Laberpodcasts mit durchschnittlich 270 Minuten pro Episode handelt, sondern um ein eher ungewöhnliches Format in der Podcast-Landschaft. Man kann also seinen Podcatcher durchaus auf normale Abspielgeschwindigkeit stellen und es bleibt trotzdem noch viel Rest-Tag übrig. Man sollte das sogar tun, denn „Kiezrekorder“ ist ein audiophiles Kleinod. Hier wird viel Wert auf ausgeklügelte Klangatmosphäre gelegt. In dem Monolog-Podcast ist immer nur eine Person zu hören. Es gibt keinen Interviewer, der Fragen stellt. Die O-Töne werden zu kleinen Geschichten zusammengebaut, die in ihrer Intensität stark nachwirken. Während Matthew, der Schriftsteller, Laura, die Barfrau oder Werner, der Kaffeeverkäufer von sich erzählen, ist ein beständiger Audioteppich im Hintergrund zu hören. Das ist nicht störend, sondern für die Atmosphäre ungemein wichtig. Audiotechnisch ist das Ganze also sehr gut gemacht, für den Ton im Podcast ist Nicolas Semak zuständig, der schon durch andere Podcast-Projekte (Mikrodilettanten) bekannt ist. Wer sich nicht auf die Bilder im eigenen Kopf verlassen will, kann sich auf Youtube oder Vimeo auch Bilder-Slideshows der Episoden ansehen. Für die Fotografie zeichnet der Berliner Architekt Christoph Michael verantwortlich. Auf der Website zum Podcast sagen die beiden Macher: „Wir werfen kurze Blicke auf Menschen, die uns auffallen. Auf ihren Alltag, ihre Beschäftigungen und ihre Leidenschaften.“ Erstes Fazit: Schönes Konzept, gut umgesetzt. Bitte mehr davon.

Laura | Die Kaiserin aus der Weserstraße from Nicolas Semak on Vimeo.

www.kiezrekorder.de