Kavanian

So fürchterlich viel konnte ich mit dem Namen Rick Kavanian gar nicht anfangen. Klar, ich kannte ihn aus vielen Szenen und Kinofilmen mit Bully Herbig, ich wusste, dass er ein begnadeter und vielbeschäftigter Synchronsprecher ist. Aber als Bühnenfigur war er mir nicht so präsent. Um so erwartungsloser waren wir nun bei seinem Gastspiel in der Gelsenkirchener Kaue.

Zweieinhalb Stunden stand K. auf der Bühne, allein mit einem Mikro und einem Glas Wasser. Mehr braucht der Mann nicht, denn er macht alles mit seiner Stimme, seiner Intuition, seiner Schlagfertigkeit und seinem unbändigen Sinn für Humor. Die Rahmenhandlung des Abends – Rick Kavanian ist wegen einer Lappalie angeklagt – ist völlig zweitrangig und dient nur als lockere Möglichkeit, möglichst viele Personen auftreten zu lassen, die in unterschiedlichsten Dialekten in Dialog treten. Zuweilen stehen virtuelle vier bis fünf Personen auf der Bühne und K. schafft es mühelos, diese Personen miteinander sprechen zu lassen. Seltsamerweise hat man auch als Zuschauer kein Problem mit der Vielfalt der Personen, obwohl man ja nur eine Person sieht und hört.

Prominente sind zur Gaudi des Publikums natürlich auch dabei: Jürgen Klinsmann mit toller Kiecksstimme, Alfons Schuhbeck im Ingwerwahn, die Klitschko-Brüder, die verzweifelt versuchen, trotz ihres Akzents „Carglass“ oder „Milchschnitte“ auszusprechen. K. erzählt wunderbar absurde Geschichten von Ayurveda-Kuren, Mond-Expeditionen, Deutschkursen für somalische Piraten, Fahrten mit indischen Taxifahrern in Düsseldorf, einem neuen Namen für Mesut Özil und dem Versuch, in Leipzig eine Paracetamol-Tablette im Hotel zu bekommen.

Das alles macht überhaupt keinen Sinn, soll es auch nicht, muss es auch nicht. Es ist einfach nur irrsinnig komisch, albern, artistisch. Zum Glück ist es kein Kabarett – das wäre zu anstrengend. Und es ist auch keine Comedy – dazu ist K. einfach zu smart.