Dreileben – ein TV-Experiment

Das große TV-Experiment „Dreileben“, das vor ein paar Tagen in der ARD lief, habe ich mir nicht am Stück angesehen. Es war mir, ehrlich gesagt, viel zu anstrengend, drei Filme á 90 Minuten hintereinander anzusehen. Ich habe die drei Stücke aufgezeichnet und dann peu á peu in der vergangenen Woche angesehen. Für mich waren alle drei Beiträge sehr überzeugende Filmkunst. Obwohl jeder Beitrag seine ganze eigene Handschrift trug und eine jeweils eigene Geschichte erzählte, verlor man als Zuschauer nie die Hintergrundgeschichte aus dem Auge. Für mich persönlich zählen die suggestiven Bilder des letzten Beitrags – „Eine Minute Dunkel“ – zu den Höhepunkten der Reihe. Stefan Kurt als vermeintlicher Sexualstraftäter Molesch wird mir noch lange im Gedächtnis bleiben – eine großartige schauspielerische Leistung. Und dass die Regisseure gerade den Thüringer Wald für ihre beklemmend-schöne Trilogie wählten, wird den nicht verwundern, der schon einmal in dieser magischen Gegend war.

Die enttäuschenden Quoten von „Dreileben“ haben meiner Meinung nach mit der eher unglücklichen Sendephilosophie der ARD zu tun. Wer hat schon die Ausdauer, sich an einem Wochenanfang bis tief in die Nacht anspruchsvolle Filme anzusehen? Der durchschnittliche ARD-Zuschauer sicherlich nicht. Für den Freund des Qualitätsfernsehens war das Ganze auch durchaus ärgerlich: Da wird endlich mal was richtig Gutes produziert und dann senden sie es weg als wären es Sketchsendungen in der Silvesternacht.

Auf jeden Fall hatte sich die ARD mit „Dreileben“ endlich mal wieder getraut, Fernsehen jenseits des Massengeschmacks zu produzieren. Das allein ist ihr schon hoch anzurechnen, nicht nur mit Blick auf das Prekariatsfernsehen der privaten Konkurrenz. Auch die Öffentlich-Rechtlichen selbst bieten ja oft genug nur schale Kost. Man setzt auf das Bewährte und das scheinbar vom Publikum gewollte. Schräges, Mutiges, Außergewöhnliches wird hingegen in aller Regel ins Nachtprogramm geschoben. Man kann nur hoffen, dass kleine Experimentiersender wie ZDFneo die verschnarchten Hauptsender ein bisschen auf Speed bringen. Leider nutzt die ARD ihre kleinen Sender wie EinsFestival oder EinsExtra eher für das Abnudeln bereits gesendeten Materials als für Experimentelles. Dabei böten sich doch gerade die Nischen an, mal etwas Neues auszuprobieren.