Die Kanzlerin hat keine Story | Links, 17.9.2014

Der Spezialist ist Autist | WDR Dok5 Das Feature
Immer mehr IT-Unternehmen sichern sich die Fähigkeiten von Autisten, die sich selbst ganz und gar nicht als eingeschränkt oder gar krank betrachten. Ein ganz und gar großartiges Radiostück.

„Man weiß nicht warum, aber die meisten Autisten haben, laut neuerer Forschungsergebnisse der Universität Cambridge, ein zweieinhalb Mal schärferes Sehvermögen als durchschnittliche Menschen. Das heißt, ihre Sehschärfe entspricht der eines Falken oder Adlers. Beim Kommunizieren mit anderen sehen sie in deren Augenhaut jede einzelne Ader, und blicken sie in das Gesicht des Gesprächspartners, dann springen ihnen Trichterlandschaften aus Poren und Mitessern entgegen.“

Testat* der Ratlosigkeit – Anmerkungen zu Blumencron
Jener ellenlange Blumencron-Text in der FAZ hat mich dermaßen gelangweilt, dass ich den halben Text nur überflog. Lorenz Matzat hat genauer gelesen. War aber offensichtlich auch enttäuscht.

Helge und wie er die Welt sieht | Tagesspiegel
Helge Schneider führt einen Tagesspiegel-Reporter durch seine Heimatstadt Mülheim an der Ruhr:

„Schneider schiebt sein Rennrad jetzt die Fußgängerzone hinunter. In der Schloßstraße reihen sich Textildiscounter, Selbstbedienungsbäcker und Ein-Euro-Shops an Läden, die Juwelen und „GOLDSCMUCK“ anbieten. Viele Geschäfte stehen leer. WMF ist weg, Schuhhaus Böhmer jetzt die Targobank. Nur ein paar rätselhaft Hartnäckige unter den alteingesessenen Einzelhändlern halten durch – „Stoff Müller“ oder „Hüte – Mützen – Schirme Herkendell“. „Kumma hier, der Kaufhof. Wie beschissen“, sagt Mülheims Wahrzeichen mit einem Kopfnicken. Schon vor einem halben Jahrzehnt hat das Warenhaus dicht gemacht. Neuvermieten, abreißen, städtisch nutzen – nichts hat geklappt. Ob er eine Idee für den Kaufhof habe, hat die Lokalzeitung Helge Schneider mal gefragt. „Ja, Kaufhof“, hat er geantwortet.“

Interview mit US-Ökonom Rifkin: „Europa ist der Platz, wo das Neue entsteht“ | Frankfurter Rundschau
Der US-Ökonom Jeremy Rifkin tourt durch Deutschland, um sein neues Buch vorzustellen. Einem notorisch pessimistischen Land wie Deutschland täte die selbstbewusste Denke Rifkins ganz gut.

Sie kennen Deutschland gut. Was muss jetzt hier passieren?
Deutschland hat die Rolle des Flaggschiffs für Europa, Deutschland ist der Motor der dritten industriellen Revolution.

Frau Merkel macht alles richtig?
Deutschland hat einen klaren Vorsprung. Was der Kanzlerin fehlt, ist eine Story. Wenn wir in Amerika wären, wären die Leute völlig euphorisch. Warum kann hier niemand die Geschichte von der dritten industriellen Revolution erzählen? Sie haben hier alle Komponenten. Daimler setzt auf die Brennstoffzelle als Antrieb für Autos. Bosch engagiert sich stark in der Informationstechnik, die nötig ist für erneuerbare Energien. Sie haben Siemens, die ihr Geschäft mit intelligenten Stromnetzen ausbauen wollen. Aber niemand hier weiß davon.

Immerhin gibt es den Konsens, aus der Atomkraft auszusteigen.
Das stimmt, es gibt eine gute negative Geschichte.

Wie sieht eine positive Story aus?
Geben Sie den Menschen eine Vision. Deutschland ist der Motor für eine nachhaltige Ökonomie ohne fossile Brennstoffe. Das hat man in zehn Sekunden erklärt.

Heißt das auch, dass Deutschland Wettbewerbsvorteile gegenüber anderen Staaten hat?
Deutschland hat ohnehin den Vorteil, ein föderal organisiertes Land zu sein. Das passt perfekt zur distributiven Struktur der dritten industriellen Revolution.“

Müssen wir Angst vor Google haben? | NZZ
Der Ökonom Justus Haucap analysiert sachlich und entspannt die aktuelle Anti-Google- und Anti-Amazon-Hysterie. Solche Texte findet man in der FAZ nicht.

„Während die Autoren und Verlage ein Monopol auf ihr Werk haben und ein bestimmtes Buch für viele Leser eben nicht einfach gegen ein anderes substituiert werden kann, ist Amazon darauf angewiesen, möglichst vollständig alle Bücher zu führen, um nicht an Reputation zu verlieren. Während die Verlage also durchaus auf Amazon verzichten könnten, kann Amazon nur schlecht darauf verzichten, auch alle Bücher liefern zu können, insbesondere nicht bei Bestsellern und grossen Verlagen.“

Wege in die Spaßgesellschaft | brand eins
Wolf Lotter seziert in der lesenswerten „brand eins“ vom August über das seltsame Verhältnis der Deutschen zu Spaß und Humor, insbesondere in der Arbeitswelt:

„Humorlosigkeit ist also ein Anfängerproblem, von Einzelnen wie von Gruppen. Es sind bevorzugt „Leute, die an ihre Sache sehr glauben. Die vertragen keine Kritik, lassen keine Zweifel zu und haben meist keine Distanz zu dem, was sie tun“, weiß Ruch. Je mehr Ideologie, desto weniger Ironie. Und das bedeutet unterm Strich: sehr wenig Intelligenz.“