Der erste Tag der re:publica 11

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Man hätte es ahnen können: Berlin zeigte sich von seiner hässlichen Seite mit Dauerregen und Sturmgetöse. Der erste Tag der re:publica XI war enttäuschend, schwach, irgendwie nervig.

Es begann mit einem inspirationslosen Eröffnungsvortrag, der sich aus irgendwelchen Gründen mit Design beschäftigte und uns irgendwas sagen wollte. Schade, denn ein Eröffnungsvortrag hat eine ganz besondere Funktion: Er ist so etwas wie eine key note, die das Thema der Konferenz setzt, die den großen Rahmen absteckt, die die Erwartungen und Hoffnungen der von weit angereisten Zuhörer aufgreift und in Worte fasst. Nichts von alledem im Vortrag von Philipp Schäfer. Die Zuschauer im proppevollen Friedrichstadtpalast waren nachsichtig mit ihm und schauten ausschließlich auf die Bildschirme ihrer Devices (die sich partout nicht ins W-LAN einloggen wollten).

Der Versuch, anschließend vom Friedrichstadtpalast in den Kleinen Saal der Kalkscheune zu gelangen, scheiterte an der geradezu aberwitzigen Überfüllung eben jenes Veranstaltungsraumes. Die Veranstalter sollten sich wirklich einmal überlegen, ob die Kalkscheune für die Größe der re:publica nicht mittlerweile vollkommen unterdimensioniert ist.

Nun gut, erst mal Kaffee trinken und dann früh, also vor dem nächsten Raumwechsel der Massen, in den großen Saal wandern. Dort sprach dann der allseits bekannte Thomas Pfeiffer von den Webevangelisten über Echoräume und Info-Kokons. Es ging um die eigentlich nicht taufrische Frage, ob wir alle informationsmäßig im eigenen Saft schmoren und im Netz immer nur das rezipieren, was wir kennen und hören wollen. Pfeiffer stellte ein paar Überlegungen vor, die die These irgendwie zu bestätigen schienen. Vielleicht aber auch nicht. Wie so häufig an diesem Tag blieb man als Zuhörer etwas ratlos zurück. Was sollte man nun aus diesem Vortrag mitnehmen?

Überhaupt wurden heute kaum Fragen beantwortet: Ob das iPad eine „gated community“ ist, wusste man nach dem gleichnamigen Workshop ebenso wenig wie vorher, und die beteiligten Akteure wirkten so, als wäre ihnen das eigentlich auch egal. Die Pose des „Irgendwie-unvorbereitet-Seins“, des coolen „Frei-von-der-Leber-Wegredens“ ist der Tod eines jeglichen guten Vortrags. Wenn ich lockeres Geplauder will, kann ich das Radio einstellen. Es wird Zeit, dass die geschliffene Rede wieder mehr Wertschätzung erhält.

So, wie es Miriam Feuls in ihrem Vortrag dann machte, kann es allerdings auch nicht gehen. Einen Aufsatz auf Proseminars-Niveau vorlesen, hat mit geschliffener Rede natürlich nichts zu tun. Und so konnte sie einem fast Leid tun, dass der vorher knackvolle Saal am Ende ihres quälenden Beitrags nur noch spärlich gefüllt war. Einziger Lichtblick dieses Tages: Tim Pritlove, der das Potenzial von Audio und Podcasts in der Öffentlichkeitsarbeit kompetent und ansprechend präsentierte.

Die kurzweilige Trollforschung von und mit Sascha Lobo am frühen Abend versöhnte ein bisschen mit einem insgesamt ziemlich verkorksten Auftakttag. Aber: Die Hoffnung stirbt zuletzt. Und es gibt ja noch zwei weitere Tage.

4 Kommentare Schreibe einen Kommentar

  1. Ja, so kann es einem gehen. Ich war in den Workshops zu Open Data und Open Gouvernance in der Kalkscheune am morgen, die waren wirklich gut. So wie auch die Frage nach Öffentlichkeit und Privatheit in der Zukunft – mit den gleichen Akteuren. Definitiv viel Gedankenfutter. Und auch der Vortrag über die deutschen Politkblogs gab Anlass, sich selbst zu hinterfragen und noch mal eigene Gedanken zu machen – unabhängig davon, ob man nun die qualitative Forschung gerade spannend findet oder nicht. Ich seh das Kernproblem darin, dass die Vortragende zu wenig klar gemacht hat, dass es ihr nur um politische Blogs geht.

  2. Wie schade. Dagegen scheint die letztjährige re:publica ja geradezu beschaulich und über die Maßen anregend gewesen zu sein. Ich hoffe aber, dass es hier noch Steigerungspotenzial gibt – das heißt, ich bin mir eigentlich sogar sicher, dass es so sein wird.

  3. Pingback: re:publica 2011 – hmm… irgendwie… | Methode-Web.de