Constanze Kurz, 1. November 2013, Frankfurter Allgemeine Zeitung:
„Es ist ein Eindringen in die elektronischen Gehirne der Menschen, in ihr virtuelles Zuhause, bei dem sich die Spione nach Belieben umschauen können und bleiben, solange sie wollen. Die Regeln machen sie selbst, niemand schaut ihnen über die Schulter, Souveränitätsrechte fremder Staaten interessieren nicht, schon gar nicht die Privatsphäre der Opfer. Wen das nicht an marodierende Banden oder mafiöse Strukturen erinnert, der sollte sich die Deklaration der Menschenrechte noch mal zur Hand nehmen und über rechtsstaatliche Selbstverständlichkeiten sinnieren.“

 

Die kommenden Tage

Dass die Welt immer unübersichtlicher und unsicherer wird, ist beileibe keine neue Erkenntnis. Dennoch erhält sie durch Katastrophen wie in Japan, durch gesellschaftlich-politische Verwerfungen, wie sie durch die Finanzkrise ausgelöst wurden, ständig neue Nahrung. Der Euro schwächelt, Staaten werden zahlungsunfähig und müssen mit unvorstellbaren Milliardensummen gerettet werden. Die Welt ist in eine Unwucht geraten und wir alle spüren, dass da im Gesamtgefüge etwas mächtig durcheinander geraten ist.

„Wo soll das alles enden?“ fragte sich schon der Comic-Zeichner Gerhard Seyfried in den 70er-Jahren, oder anders gefragt: Wie wird sich unsere Gesellschaft entwickeln? Werden wir die weltweite ökologische Katastrophe abwenden? Werden wir die Weltfinanzen wieder in den Griff kriegen? Wohin führt unser Wachstumswahn? Welche Rolle spielt die Politik?

Rund um diese Fragen dreht sich die neue Reihe der HORIZONTE-Interviews mit dem Titel „Die kommenden Tage. Risiken und Chancen der Wissensgesellschaft“. In zehn- bis fünfzehn-minütigen Interviews beschäftigen sich dort kluge und kritische Köpfe mit unserer unmittelbaren Zukunft. Die Reihe des Stifterverbandes beginnt mit Claus Leggewie; weitere Interviews sind in Vorbereitung: u.a. mit dem Organisationspsychologen Peter Kruse (Bremen), Günter Dueck von IBM, dem Philosophen Hartmut Rosa (Jena) oder dem Ulmer Forscher Franz Josef Radermacher, einem leidenschaftlichen Verfechter der Ökosozialen Marktwirtschaft.

Den Anfang macht der Politologe Claus Leggewie, der das Kulturwissenschaftliche Institut in Essen leitet. Der scharfsinnige Analytiker fordert von der Politik, endlich langfristige Strategien zu entwickeln. Wir müssen uns, so Leggewie, vom herkömmlichen Wachtumsdenken verabschieden, aber dafür auf wirkliche Entwicklung der Gesellschaft setzen. Eine hoch spannende Gesellschaftsanalyse in 15 Minuten.

Produktion: Timur Diehn/Corina Niebuhr
Redaktion: Michael Sonnabend