Beim Barte des Spitzels (1014)

Aus einem Verkleidungsseminar. (Simon Menner und BStU 2013).

Aus einem Verkleidungsseminar. (Simon Menner und BStU 2013).

Es ist noch gar nicht so lange her, da waren Spitzel noch aus Fleisch und Blut. Sie wollten und mussten unerkannt bleiben: klebten sich Bärte an, trugen Perücken, kleideten sich wie Touristen. Diese Überwacher waren noch auf der Straße unterwegs, beobachteten Briefkästen, verdächtige Häuser und schreckten auch vor heimlichen Wohnungsdurchsuchungen nicht zurück. Wenn man Simon Menners Buch „Top Secret“ mit Bildern aus den Archiven der DDR-Staatssicherheit anschaut, ist man zunächst erheitert. Angesichts heutiger allumfassender Hightech-Überwachung durch Geheimdienste erscheinen die Machenschaften der DDR-Spitzel fast romantisch. Wie sie sich als westliche Touristen mit Plastiktüte oder als Werktätige tarnen. Wie sie Verhaftungen üben oder das Übermitteln geheimer Signale. Wie sie mit Polaroid-Kameras den Zustand von zu durchsuchenden Wohnungen dokumentieren, um sie nach der Durchsuchung wieder in den ursprünglichen Zustand versetzen zu können.

Das alles – wie gesagt – möchte einen zunächst erheitern. Und doch sind sie eben Dokumente der Unterdrückung. Simon Menner beschreibt es in seinem Vorwort:

„Für mich macht dabei die Banalität mancher der Fotos den Schrecken, den ich empfinde, nur umso größer. Allzu viele Bilder scheinen offen für jedwede Interpretation und damit instrumentalisierbar gemäß der Erwartung desjenigen, der sich ihrer bedient. Beispielsweise das Foto einer Siemens-Kaffeemaschine. Als westdeutsches Produkt kann es gesehen werden als Beleg für Kontakte zu westlichen Agenten oder schlicht als Geschenk von Verwandten. Der Unterschied kann Jahre im Gefängnis bedeuten.“

Science Podcasts
Henning Krause, der Godfather Nestor des Science-Podcasts in Deutschland, hat in seinem Helmholtz-Blog eine überaus verdienstvolle Liste mit aktuellen Produktionen aus dem In- und Ausland vorgestellt. Die Liste verzeichnet nicht nur Podcasts aus der freien Szene, sondern auch von Journalisten, von Medienhäusern und Wissenschafts-Institutionen und aus der englischsprachigen Welt. Die Vorteile des Podcasts liefert Henning gleich mit:

„Es geht um Audio-Podcasts, die sich alle Interessierten dann anhören können, wenn ihr Gehirn zwar aufnahmebereit ist, sie aber die Zeit nicht anderweitig nutzen können, weil sie z.B. gerade Autofahren, joggen, die Wohnung putzen oder auf dem Heimtrainer sitzen. Viele Menschen hören dann Musik oder lassen ihre Gedanken schweifen – andere wollen Hirnfutter. Dafür sind Wissenschaftspodcast ideal.“

Wohl wahr. Vor allem das mit dem Heimtrainer. Wiewohl ich zugeben muss, dass ich dort dann auch ganz gerne statt eines Wissenschaftspodcasts lieber leichtere Kost a lá NSFW oder GeekWeek weghöre.

Die Landesbanken als die wahren Herde der Finanzkrise
Wir glauben immer, dass die Finanzkrise der vergangenen Jahre eine Krise des Herrn Ackermann war. Vielleicht wurde uns das ja auch immer so suggeriert von den Medien oder von der Politik. Gerade letztere hätte Anlass dazu gehabt. Aber weit gefehlt: Denn die Banken, die den größten Schaden für den Steuerzahler – also für uns alle – verursacht haben, waren Banken, die unter Staatskontrolle oder Staatseinfluss standen oder stehen. Der das sagt, ist nicht irgendwer, sondern Martin Hellwig, einer der führenden Bankenforscher in Deutschland. In der Klarheit hat das bisher noch niemand formuliert. Warum eigentlich nicht?