Autofahren in Südengland

Mit dem Auto durch good ol‘ Engeland fahren – es ist eine wahre Pracht. Dabei ist es gar nicht so sehr das ungewohnte Linksfahren. Das hat man ziemlich schnell drauf, zumindest dann, wenn man ein paar brenzlige Situationen übersteht, in denen man sich mit einer Menge Gegenverkehr auf der eigenen Fahrspur konfrontiert sieht… Nein: In aller Regel fahren ja auch noch einige andere Autos auf den Straßen herum und eigentlich ist das Linksfahren dann kein großes Problem.

Viel problematischer sind die Straßenverhältnisse, speziell in Südengland. Denn die Farmer haben hier die Abgewohnheit, ihre Wiesen und Äcker mit wunderschönen, über die Jahre dicht bewachsenen Bruchsteinmauern zu begrenzen. Nicht selten türmen sie sich die Hecken bis zu drei Meter hoch auf. Das ist schön anzusehen, ist aber für den Autofahrer, um den es hier geht, durchaus nicht unproblematisch. Denn diese Mauern befinden sich mitnichten – wie man als DIN-geprägter Deutscher meinen könnte – nicht in gebührendem Abstand zur Straße. Nein, diese grünen Mauern befinden sich direkt am Rand der Straße. Oder besser gesagt: es gibt keinen Straßenrand im herkömmlichen Sinne. Denn da, wo die Straße aufhört, beginnt die Mauer bzw. die Hecke.

Das hat eine Reihe von Auswirkungen: Da die Landstraßen Südenglands kurvig und wellig sind, weiß man eigentlich nie so genau, wo man gerade so hinfährt. Der Straßenverlauf ist selten über mehr als 100 Meter einsehbar. Auch das ist im Prinzip kein so großes Problem. Besonders tricky wird es allerdings, wenn die ohnehin schwierig zu fahrende Landstraße plötzlich sehr eng wird. Das ist überall dort der Fall, wo die Straße und die begrenzende Mauer noch aus Francis Drakes Zeiten stammen. Für uns Heutige bedeutet das, frühzeitig zu erkennen, an welchen Engstellen noch zwei Autos nebeneinander passen oder wo dann doch eher der Außenspiegel leidet, wenn man einfach so weiter fahren würde. Es ist wohl typisch für die Engländer, dass ein Baum, der zu weit in die Straßenführung hingewachsen ist, selbstverständlich nicht gefällt wird, sondern die Autofahrer gefälligst um ihn herumzufahren haben.

Zum Glück kennen die Einheimischen ihre Gegend immer ziemlich gut und lassen den Touristen nachsichtig wartend passieren. Nicht selten muss man auch in Schrittgeschwindigkeit aneinander vorbeifahren, während der linke Seitenspiegel fast immer im Gestrüpp der Hecke verschwindet. Allzu viel Sorge um die Lackierung seines Gefährtes sollte man also nicht haben.

Überhaupt sind die Engländer recht gelassene Autofahrer. Wildes Lichtgehupe und Drängelei sind eigentlich äußerst selten. Auch auf den Autobahnen geht es sehr gesittet zu, auch wenn diese nicht in allen Belangen den Standards bei uns entsprechen. So kann eine Autobahn auch urplötzlich mal zu Ende sein und in einem Kreisverkehr münden, dann zehn Kilometer als Landstraße weitergehen, um dann unvermittelt wieder eine Autobahn zu werden. Zwischendurch gibt es urplötzlich Abbiegerspuren nach rechts oder Zufahrten ohne jegliche Auffahrspur. „Pedestrians crossing“ ist auf einem englischen Motorway offenbar kein Ding der Unmöglichkeit, wahlweise können es auch Kühe sein.

Alles in allem ist das Autofahren in Südengland eine ganz besondere Art der Fortbewegung. Und wer einmal 80 oder 100 Kilometer durch Devon gefahren ist, der weiß, was er getan hat. Zum Glück gibt es vielerlei Arten der Entspannung. Eine der besten besteht darin, sich einen gutgemachten Cream Tea zu bestellen. Mit extra viel Clotted Cream und einem guten englischen Tee.

1 Kommentar Schreibe einen Kommentar

  1. Hi Michael,
    wo kommt denn der Blödsinn her, dass gäbe es nur in Südengland. Da fahr mal nach/durch Schottland oder Irland, und das auch noch einem großen Auto. Das Schönste dort aber ist immer, dass man nett gegrüßt wird. Das verstehen wir Deutsche nicht.
    Fahr mal weiter durch die Welt. Wenn wir nach Indien gekommen sind, werden uns solche Kleinigkeiten wie in GB nicht mehr beschäftigen.
    Von Oberhausen nach Essen vom Matten